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14 05/05

10 Jahre kino-zeit.de – Die Darlings der Redaktion: Ninja: Shadow of a Tear

Ich würde einfach mal behaupten, dass mein Lieblingsfilm aus allen möglichen filmischen Ecken kommen könnte, doch eine hat es mir seit kurzem wieder besonders angetan: die der Actiongülle - also der frontal auf B gebürsteten Zurschaustellung strammer Brüste, wütend geweiteter Pupillen und grundehrlich sinnloser Rache. Die unweigerlich mündet in sinnlose Zerstörung und ein schier wahnsinniges Aufbäumen gegen ein übermächtiges Imperium.

(Filmstill aus Ninja: Pfad der Rache, Copyright: Splendid Film)

Nur ein Mann wagt es, dem schmierigen Drogenboss, der für die anfängliche Ermordung der Frau fürs Leben verantwortlich ist, die blutverkrusteten Handkanten entgegenzustrecken. Für so einen Schuft muss die Strafe "Tod" heißen. Und selbst der vermeintlich beste Freund, den unweigerlich eigene niedere Instinkte treiben, kann die Ein-Mann-Walze der Gerechtigkeit nicht aufhalten!

Ninja: Shadow of a Tear ist sowas von Actiongülle, aber natürlich Actiongülle im besten Sinne des Wortes - was zum Glück immer wieder der Fall war, seit Graf Haufen dieses Wort vor vielen Jahren in der Splatting Image geprägt hat...und mich dabei auf den Trichter brachte, dass die damals noch florierende dtv-Actionwelt etliche Schätze birgt. Schätze, die geradewegs zur Sache kommen, Schätze, die die Latte genau so hoch legen, wie es sich der Sofa-Anspruch im besten Fall erträumt. Die Kunst der sowohl platten als auch straighten Unterhaltung - und das dann bitte garniert mit keineswegs aktuellen Expendables-Namen und unter dem finanziellen Dach von PM Entertainment, den Königen unverhoffter "production values" und geschrotteter Ami-Karren. Zumindest für mich ist es absolut faszinierend, den Filmen von Don Wilson, Jeff Wincott oder Billy Blanks differenzierte Wertungen abzuringen.

(Filmstill aus Ninja: Pfad der Rache, Copyright: Splendid Film)

Warum nun ausgerechnet Ninja: Shadow of a Tear die Ehre dieser Zeilen zuteil wird, darf zum einen der phänomenalen Qualität des Films zugeschrieben werden, und zum anderen der durchaus erstaunlichen Erkenntnis, dass dtv-Action -zumindest in dieser Güteklasse- eigentlich kaum noch existent ist. In Zeiten deeskalierender Indie-Budgets fällt B-Action zunehmend durchs Raster, weil die dazugehörigen Drehs relativ aufwendig sind und es einfach kaum Leute gibt, die so etwas so gut können wie Isaac Florentine und Scott Adkins - dem amerikanischen Action-Traumteam schlechthin. Undisputed 2, Undisputed 3, Undisputed 4 (ja ja, BALD!), Ninja und Ninja: Shadow of a Tear: mit einem genüsslichen Schnalzer kommt einem über die Lippen, dass selbst der erste Ninja, der von vielen als schlechtester Film der beiden gewertet wird, von einer ähnlichen Inspiration wie die Kollaborationen weitaus bekannterer Kombos getragen wird.

(Filmstill aus Ninja: Pfad der Rache, Copyright: Splendid Film)

Florentine/Adkins - das sind Burton/Depp in windschnittiger B-Kluft. Mit einer Geschichte, die selbst einer kalten Suppe einen strammen einer-gegen-alle-Brawl abgewinnen kann. Mit einem Hauptdarsteller, der mimisch immerhin über der Michael-Dudikoff-Latte liegt. Und vor allem natürlich Actionszenen, die genau das machen, was (fast) alle anderen aktuellen Actionszenen weder können noch wollen: nämlich frontal auf die Fresse geben, immer wieder spektakuläre Aktionen zeigen, in den entscheidenden Momenten NICHT wegschneiden und vor allem weder CGI noch Drähte einsetzen. Ninja: Shadow of a Tear ist der Film, auf den der geneigte Actionfan gewartet hat, weil er von Leuten stammt, die selber Actionfans sind und einfach das Zeug haben, sich keine Blöße zu geben. Scott Florentine inszeniert mit strammer, mätzchenfreier Hand und Scott Adkins spielt in Sachen Mano-a-Mano einfach in einer ganz eigenen Liga. Verdammt, selbst das klassische Hongkong-Kino der achtziger Jahre war kaum aufregender als die hier verabreichte Power-Dosis Kinetik.

(Filmstill aus Ninja: Pfad der Rache, Copyright: Splendid Film)

Und letztendlich geht es ja um genau das: Film soll begeistern, bewegen und einen im weiß/schwarzen Bademantel (aka Kimono) vor dem Fernseher mitzucken lassen. Ninja: Shadow of a Tear hatte seine Weltpremiere auf dem Fantastic Fest, wo anscheinend der Szenenapplaus einem erneuten Champions-League-Gewinn ähnelte und in mir die Gewissheit reifen ließ, hier ein Event auf Ohrensessel-/Enkel-/Opa-erzählt-das-Beste-aus-seinem-Leben-Niveau verpasst zu haben. Scott Adkins heißt in dem Film Casey Bowman, der erste Auftritt in voller Ninja-Montur schreit einfach nur "STARSCHNITT" und wenn dann auch noch Kane Kosugi lostritt, der hier endlich mal zeigen kann, was er *wirklich* draufhat, dankt man doch wieder für die nach wie vor auf das Heimkino beschränkte Möglichkeit des atemlosen Zurückspulens. "Wahnsinn, was war DAS denn?!" Na eben Ninja: Shadow of a Tear - der mit Abstand beste Actionfilm 2013. Und eine prügelgute Zusammenfassung all dessen, was die dunkle Seite meiner Leidenschaft für Film immer noch munter weiterpochen lässt.

(Martin Beck)