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17 20/09

Kein digitaler Horror – Die kino-zeit-Kolumne

Das Horrorkino braucht das Lebendige. Tote, die auferstehen, Monster, die erweckt werden, Häuser, die sich verändern – die Beispiele sind zahllos, ihr gemeinsames Prinzip ist grundlegend für das Genre: Die Angst vor dem Lebendigen, das nicht lebendig sein darf. Dabei häufen sich in den vergangenen Jahren Beispiele, in denen die analoge Projektion mit ihrer Illusion von Leben auf der Leinwand wieder eine starke Rolle spielt. Sei dies der Crooked Man aus Conjuring 2  (USA 2016), ein Super-8-Dämon aus grauer Vorzeit in Sinister (USA/UK 2012) – oder aktuell die verselbstständigte Dia-Projektion von Es  (It, USA 2017).


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17 13/09

Don't show, don't tell? - Über die Verantwortlichkeit im Audiovisuellen

Als die 13 Episoden umfassende erste Staffel der Serie Tote Mädchen lügen nicht (13 Reasons Why) am 31. März 2017 auf der Streaming-Plattform Netflix veröffentlicht wurde, löste sie rasch äußerst heftige Kontroversen aus. Die Produktion befasst sich mit dem Suizid einer Highschool-Schülerin, die sieben Kassetten hinterlässt, auf denen sie über die Hintergründe ihrer Tat spricht. Bald wurden in den Medien die Fragen diskutiert: Ist es (zu) gefährlich, dieses Thema zu behandeln? Und begeht die Serie auf narrativer und/oder auf inszenatorischer Ebene womöglich grobe Fehler im Umgang mit dem sensiblen Sujet?


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17 06/09

Jesajah wird unsichtbar - Die kino-zeit-Kolumne

Selbst wenn Sie Kinder haben, kennen Sie womöglich Liliane Susewind nicht. Die junge Dame hat ganz besondere Fähigkeiten: Sie kann mit Tieren sprechen und Pflanzen zum Wachsen animieren. Liliane hängt deshalb gerne mit ihrem besten Freund Jesajah im Zoo ab und dolmetscht Tiersprache. Was man halt so macht als Heldin einer Kinderbuchserie, von der es mittlerweile über 15 Bände gibt.


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17 28/08

Die "Alt-Right“ gegen das Kino

Hört man nicht allzu genau hin, könnte man Unconscious Cinema zuerst einmal für einen der zahllosen Filmpodcasts halten, in denen Interessierte aus aller Welt über das Kino plaudern. Die Aufnahme wirkt ein wenig amateurhaft und übersteuert gelegentlich, die Diskussion schweift ab und verliert sich in Anekdoten - alles nicht außergewöhnlich für das Medium.  Bemerkenswert ist vor allem, wer da am Mikrofon sitzt und James Camerons Terminator-Filme neu interpretiert: Niemand anderes als Neonazi Richard Spencer, eine der Schlüsselfiguren jener neuen amerikanischen Rechten, die er selbst als "Alt-Right" bezeichnet; als radikalere "Alternative" zum Mainstream-Konservativismus.


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17 23/08

Zeitenwende und Generationswechsel - Die kino-zeit-Kolumne

Bevor nun die Saison der großen Spätsommer- und Herbstfestivals beginnt, in der sich Big Player wie Venedig, Toronto und San Sebastian förmlich die Klinke in die Hand geben, erschienen die Wochen der großen Ferien mit Ausnahme von Locarno wie eine Verschnaufpause, in der aber zwei Nachrichten aufhorchen ließen, die beide auf ihre Weise für eine gewisse Verunsicherung und ein Gefühl des Abschieds sorgten: Zum einen war dies natürlich der Tod von Hans Hurch, der seit 1997 die Viennale leitete und eigentlich nach der Ausgabe 2018 das Zepter an einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin übergeben wollte. 

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17 14/08

Zeig’s mir nochmal, Sam - Zu Wiederaufführungen im Kino

Die in diesen Monaten wieder besonders häufig auftretende Praxis der Wiederaufführung ist nicht neu. Man denke nur an die vielen Generationen, die mit Disneys Das Dschungelbuch groß geworden sind. Das Ganze ist ein wirtschaftlich legitimes und in gewissen Fällen äußerst lukratives Geschäft mit Aufführungsrechten. 


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17 11/08

Locarno 2017 - Logbuch, Tag 5

Auf der großen Leinwand am Piazza Grande sieht man in einer extremen Naheinstellung das atmende Fell eines Leoparden. Gleichmäßig und beruhigend aus der Projektionskabine kommend. Ich klopfe an die viereckige Box am Ende des großen Platzes, auf dem die vom Regen beeinträchtigten Open-Air-Vorstellungen des Festivals stattfinden. Hier definiert die künstlerische Leistung ihre Vorstellung von Publikumskino. Man könnte auch sagen, dass hier verschiedene Verleiher glücklich gemacht werden.


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17 10/08

Locarno 2017: "Der Mann aus dem Eis" von Felix Randau

In die nie enden wollenden Kranfahrten und Schwenks von Felix Randaus Der Mann aus dem Eis verbirgt sich ein Bestreben hin zum Erfahrbarmachen und Nachleben der rauen Natur vor über 5000 Jahren in den Ötztaler Alpen. Man denkt unweigerlich an The Revenant, weil auch hier die Kamera über den Film erhoben wird. Mit allem Bestreben einer fragwürdigen Authentizität will Randau das Leben beziehungsweise den Tod des sogenannten Ötzi nacherzählen. Es gibt im ganzen Film kein einfaches Bild. Alles erzählt immer davon, wie krass und teuer es hergestellt wurde. Der Eismann aus dem Tisenjoch ist eines der großen Mythen unserer Zeit, um ihn ranken sich zahlreiche Forschungen und Spekulationen. Randau ist weniger an der Fiktionalität seiner Figur interessiert, als an der Tür, die ihm dieser für einen Genrefilm öffnet.


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17 10/08

Locarno 2017 - Logbuch, Tag 4

Ich muss träumen: Statt einer Katze, in deren Blick ich einen Leoparden finde, starre ich in das erstarrte Antlitz einer sterbenden Frau in Wang Bings Mrs. Fang. Der Film zählt bisher zum absolut Besten in Locarno, weil er sich im Gegensatz zu vielen anderen Filmen hier nicht selbst als Kunst definiert, sondern schlicht etwas filmt, was er sieht. In diesem Fall eine sterbende Frau und ihre Familie, die sie in den Tod geleitet. Dabei verharrt die Kamera des chinesischen Filmemachers immer wieder auf der erstarrten Grimasse der an einer raren Form von Alzheimer erkrankten Frau. Zunächst kommt einem dieser Close-up zu nahe. Er stellt auch eine moralische Frage: Darf man sich so dem Tod nähern? Doch nach und nach entpuppen sich eine Zärtlichkeit und eine Frage, die sich zwischen Leben und Tod entfaltet, in den Zügen der Frau. Immer wieder stehen ihre Nächsten um sie herum und fragen sich, ob sie schläft oder wacht, ob sie noch lebt.


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17 09/08

Locarno 2017 - Logbuch, Tag 3

Es donnert über dem Lago Maggiore. Tiefe Wolkendecken hängen im umliegenden Gebirge. Die Vögel in meinem Hotel sind heute ruhiger, sie haben sich versteckt. Nur gelegentlich höre ich einen Ruf. Ich will mit dem Hotelpersonal darüber sprechen, aber sie sind beschäftigt. Eine Bedienstete sagt mir: „Später, später.“. Mit ihren gelb-schwarzen Taschen rennen die Festivalbesucher durch den Regen. Manche stolpern auf dem unebenen Steinpflaster, andere rutschen. Unter den Arkaden, durch die man geschickt von Kino zu Kino wandern kann, merkt man davon nichts. Dort ist es warm. Das Plätschern und das Donnern klingen wie ein entfernter Traum.


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