B-Roll

16 09/12

Advent, Advent - Olga Galicka über "Les Sauteurs"

Als ich im Februar die ersten veröffentlichten Szenen aus Gianfranco Rosis Fuocoammare (Seefeuer) sehe, wird mir ein bisschen übel. Das ist nicht der Kinomoment des Jahres, sondern sein komplettes Gegenteil. Wie raffiniert Rosi den Plottwist gefunden haben muss, die Geschichte von Menschen auf der Flucht durch das Leben der Bewohner von Lampedusa zu erzählen. Er inszeniert die Flüchtenden als gesichtslose Massen, ja, beinahe leblos. In seinem Film stehen sie außerhalb des echten Lebens, das immer noch von der Krise tangiert seinen gewohnten Gang nimmt. Die ankommenden Menschen sind Halbtote für ihn. Und das sind sie auch für uns, wenn wir diesen Winter abends die Tagesschau im Kreise der Familie schauen. Man müsse froh sein, über das, was wir hier haben. Teilen wollen viele aber lieber doch nicht. Immerhin sind Bilder vom Mittelmeer weit weg und für einen selbst reine Hypothesen.


0 Kommentare

Mehr lesen

B-Roll

16 09/12

Advent, Advent - Sonja Hartl über spazierende Frauen

Anfang des Jahres schaute ich für die Reihe über den Film noir sehr viele alte Filme, viele zum zweiten, dritten, vierten Mal. Dabei trifft mich ein Film so sehr wie kaum einer: Louis Malles Ascendeur pour l’échafaud (Fahrstuhl zum Schafott) mit seiner perfekten Symbiose aus Filmbild und Filmmusik. Eingespielt hat sie Miles Davis in einer Nacht mit seiner Pariser Band in einem Studio – und wenn Florence (Jeanne Moreau) auf der Suche nach ihrem Geliebten durch das nächtliche Paris läuft, wird ihre Sehnsucht, ihre schwindende Hoffnung, dass es einen Grund geben muss, warum er nicht zu finden ist, die leise Befürchtung, dass er sie verlassen habe, in ihrem Gesicht ebenso wie in den Trompetenklängen von Miles Davis, dem ruhigen Bass, den wenigen Pianoklängen und dem mit einem Besen gespielten Schlagzeug widergespiegelt. Hier ist sehr deutlich zu bemerken, dass die Musik nicht vorab komponiert wurde, sondern zu den Bildern des Films über Harmonien und Themen improvisiert wurde.


0 Kommentare

Mehr lesen

Ich glotz TV & VoD

16 09/12

Die tägliche TV-Schau: Samstag, 10.12. und Sonntag, 11.12.2016

Wenn ein Regisseur vom Kaliber eines David Lynch ein Werk als den „experimentellsten Film, den er je gedreht hat" bezeichnet, dann sollte man sich darauf einstellen, dass man vielleicht nicht das bekommt, was man erwartet.  


0 Kommentare

Mehr lesen

B-Roll

16 09/12

Advent, Advent - Christopher Diekhaus über "The Witch"

Samstag, der 9. April 2016, im Kölner Residenz-Kino: Horroraffine Menschen tummeln sich um 20.15 Uhr im größten Saal des schmucken Lichtspielhauses. Beinharte Splatter-Freunde ebenso wie Fans gediegener Gruselwerke. Der Raum ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Und alle warten gespannt, dass sich der Vorhang lichtet. Grund für den Massenauflauf bei den Fantasy Filmfest NIGHTS ist die US-amerikanische Independent-Produktion The Witch. Das Regiedebüt des Kostüm- und Szenenbildners Robert Eggers, dem - das lassen die Nachrichten von zahlreichen Festivals vermuten - ein kleiner Geniestreich geglückt sein muss. Geraschel und Unterhaltungen erfüllen den Saal, bis endlich das Licht ausgeht und die Leinwand die Aufmerksamkeit der Anwesenden beansprucht. 


0 Kommentare

Mehr lesen

Ich glotz TV & VoD

16 09/12

Die tägliche TV-Schau: Freitag, 09.12.2016

Mit Exiled beweist Johnnie To einmal mehr, wie brillant er Action inszenieren kann. Die Geschichte um ein Quasi-Klassentreffen alter Auftragskiller-Freunde ist ein furios choreografiertes Ballett in der Tradition des heroic bloodshed


0 Kommentare

Mehr lesen

B-Roll

16 08/12

Hartl & Behn besprechen: Safari, Alle Farben des Lebens & Sing

Was für ein Programm: Ulrich Seidl geht auf Safari in Afrika, der Koala Buster Moon versucht in Sing sein Musiktheater mit einer Talentshow der Tiere zu retten und Elle Fanning kämpft zusammen mit Naomi Watts in Alle Farben des Lebens um die Erlaubnis ihr Geschlecht ändern zu dürfen. Aber nicht alle Filme sind überzeugend. Beatrice Behn & Sonja Hartl haben sie sich einmal näher angeschaut. (P.s. Schaut bis zum Ende, da gibt es tanzende Schweine. Das ist keine Metapher.)

0 Kommentare

Mehr lesen

B-Roll

16 08/12

Advent, Advent - Harald Mühlbeyer über Werner Enke

Berlinale 2016. Retrospektiven-Thema: das deutsche Filmschaffen von 1966. Mit dabei auch Kurzfilme. Unter anderem, zu meiner großen Freude: Manöver von May Spils, ein kurzes Stück mit einem Werner Enke in Hochform - Grimassenschneiderei-Weltmeisterschaft in der Badewanne! Das Ganze als Übung gegen den großen Feind der Menschheit, das frühe Aufstehen ... Und die Überraschung im Berlinale-Forum: In Dominik Grafs Verfluchte Liebe Deutscher Film, da wird doch einer interviewt, das ist doch - tatsächlich: Werner Enke. Enke, der jahrzehntelang abgetaucht war, scheint seine Scheu vor der Öffentlichkeit abzulegen. Dann, oh Wunder: Im Sommer, beim Filmfest München, war Enke tatsächlich mit auf dem Podium einer Diskussionsrunde zu Zeigen was man liebt, einem weiteren Dokumentarfilm um eine quasi alternative deutsche Filmgeschichte. Eine Diskussionsrunde, deren Mit-Moderator die Ehre zu sein ich hatte.


0 Kommentare

Mehr lesen

Ich glotz TV & VoD

16 08/12

Die tägliche TV-Schau: Donnerstag, 08.12.2016

Eine nymphomane Jungfrau, die nach ihrer Zeit im Kloster beginnt pornografische Romane zu schreiben - solche grob gezeichneten Figuren kann nur Isabelle Huppert glaubwürdig mit Leben füllen. In Hal Hartleys Amateur tut sie das mit Bravour.


0 Kommentare

Mehr lesen

B-Roll

16 07/12

Advent, Advent - Lucas Barwenczik über "Der Schamane und die Schlange"

Anfang des Jahres sah ich ein 26 Meter großes Wasserschwein in Berlin. Ich hatte die Stadt schon oft besucht, aber Nagetiere von der Höhe des Brandenburger Tors waren mir vorher nie aufgefallen. In Filmen zerstören Wesen solchen Ausmaßes meist Wolkenkratzer und sorgen für Massenpanik, Geschrei und Chaos. Die Menschen um mich herum schienen jedoch kaum aufgeregt, entspannt sogar, obwohl dieses Capybara - eigentlich in Südamerika heimisch und mit einer Schulterhöhe von nur etwa 75 Zentimetern - halb so groß wie Godzilla und doppelt so groß wie ein Brachiosaurus war. Alles war falsch, aber in Ordnung.


1 Kommentar

Mehr lesen

Ich glotz TV & VoD

16 07/12

Die tägliche TV-Schau: Mittwoch, 07.12.2016

Einer vom Regisseur selbst in die Welt gesetzten Legende zufolge, begrüßte Björk Lars von Trier am Set jeden Morgen, indem sie ihn anspuckte und ihm ihre Verachtung ausdrückte. Auch wenn der Dreh ein nervenzehrendes Erlebnis gewesen sein muss - für Dancer in the Dark haben sich die Anstrengungen gelohnt.


0 Kommentare

Mehr lesen