Warum überleben manche von uns, während andere untergehen? Ein Interview mit Kevin MacDonald
Kinostart:
15.04.2004
Am 29. 4. startet Sturz ins Leere - Touching the Void in den deutschen Kinos, ein packendes Dokudrama über zwei Bergsteiger, die nur mit Mühe der Hölle der Anden entkommen. In einem Interview äußert sich Regisseur Kevin MacDonald zu den Hintergründen des Films.
Warum wollten Sie den Film machen?
Ich dachte, aus dieser packenden und visuellen Geschichte könnte ein brillanter Film werden. Die Grundthemen haben mich sehr angesprochen: Warum überleben manche von uns während andere untergehen? Hat Simon das Richtige getan, als er das Seil durchschnitt? Am meisten hat mich die Frage interessiert, was uns überhaupt anspornt - wie man in einem erbarmungslosen Universum, in dem kein Gott nach uns schaut, weitermachen soll? Daneben war es eine enorme physische und ästhetische Herausforderung in den Bergen zu drehen. Ich bin immer vorsichtig, wenn es darum geht, Dokumentarisches mit Spielfilm-Szenen zu kombinieren. Das war wirklich ein Schritt ins Unbekannte, weil ich nicht wusste, ob diese Stilmischung auch für das Publikum funktioniert. Ob wir damit tatsächlich Erfolg hatten, müssen andere beurteilen.
Wie haben Sie sich auf den Dreh vorbereitet?
Ich habe zuerst Simon und Joe je zwei Tage interviewt. Hätten sie die Geschichte nicht gut erzählt, hätte ich den Film auch nicht machen wollen. Danach habe ich das Material zwei Wochen lang zu einem zweistündigen "Gerüst" des Films zusammengeschnitten. Erst dann habe ich angefangen, ein visuelles Drehbuch zu schreiben und die Hauptsequenzen in einem Storyboard auszuarbeiten. Mein visuelles Konzept war sehr simpel: Der dokumentarischen Teil sollte so einfach wie möglich gehalten werden. Ich wollte mich hauptsächlich auf die Gesichter konzentrieren. Die Spielfilm-Szenen sollten so realistisch wie möglich werden. Das Publikum sollte sich fühlen, als wäre es tatsächlich vor Ort.
Könnten Sie die Mischung aus Dokumentarfilm und Spielfilm noch näher erläutern?
Ich arbeite gerne mit den stilistischen Elementen beider Genres. Ich erzähle gerne eine Dokumentation mit den Erzähltechniken des Spielfilms. Bei Sturz ins Leere sind wir noch einen Schritt weiter gegangen. Beide Genres verschmelzen tatsächlich miteinander. Das war ein enormes Risiko. Die Gefahr dabei ist, dass die Spielfilm-Elemente sehr leichtgewichtig wirken. Sie rutschen im Vergleich zu der „schweren Wahrheit“, die in den dokumentarischen Teilen vermittelt wird, oft ins Unwesentliche ab.
Wie haben Sie die Hauptdarsteller ausgewählt?
Die größte Herausforderung war, Schauspieler zu finden, die sich den Strapazen dieses Drehs wirklich aussetzen wollten. Sie mussten ihre Nasen in Stürme von über 100 Stundenkilometer stecken und Eiszapfen an ihren Bärten akzeptieren! Sie mussten sich Abhänge herunterstürzen! Sie haben das mit großer Begeisterung gemeistert und noch dazu sehr subtil und voller Integrität gespielt.
Wir haben uns zuerst nach Extrembergsteigern umgesehen, die auch Schauspieler sind. Es ist wenig erstaunlich, dass wir niemanden finden konnten. Also suchten wir Schauspieler, die wenigstens ein bisschen klettern konnten.
Die Stunt-Szenen müssen sehr schwierig gewesen sein...
Wir haben die Stunts mit Kletterern gemacht, die sind gewohnt zu fallen. Die Szenen an sich waren nicht schwierig zu drehen, aber Vorbereitung und Setup war sehr zeitaufwendig. Es dauert alles sehr lange, wenn man hoch in den Bergen filmt, besonders wenn man aneinander geseilt ist oder an einem Abhang hängt. Die meisten Stunts wurden von Dave ‚Cubby’ Cuthbertson gemacht, Joes Double. Mir ist ein Ereignis besonders in Erinnerung geblieben. Als wir den großen Sturz von 100 Fuß drehten, hat sich Cubby sehr über mich geärgert. Ich hatte behauptet, der Sturz hätte zu kontrolliert ausgesehen und gefragt: Warum fliegst du nicht schneller? Er war der Meinung ohne jegliche Kontrolle und mit aller Geschwindigkeit die eine Schwerkraft nun mal bewirken kann, gefallen zu sein. Da ist mir klar geworden, dass die Realität ruiniert werden kann, wenn man zu viele Stunts in Hollywood-Filmen gesehen hat. Die Wirklichkeit ist nicht annähernd so dramatisch!
Warum wollten Sie den Film machen?
Ich dachte, aus dieser packenden und visuellen Geschichte könnte ein brillanter Film werden. Die Grundthemen haben mich sehr angesprochen: Warum überleben manche von uns während andere untergehen? Hat Simon das Richtige getan, als er das Seil durchschnitt? Am meisten hat mich die Frage interessiert, was uns überhaupt anspornt - wie man in einem erbarmungslosen Universum, in dem kein Gott nach uns schaut, weitermachen soll? Daneben war es eine enorme physische und ästhetische Herausforderung in den Bergen zu drehen. Ich bin immer vorsichtig, wenn es darum geht, Dokumentarisches mit Spielfilm-Szenen zu kombinieren. Das war wirklich ein Schritt ins Unbekannte, weil ich nicht wusste, ob diese Stilmischung auch für das Publikum funktioniert. Ob wir damit tatsächlich Erfolg hatten, müssen andere beurteilen.
Wie haben Sie sich auf den Dreh vorbereitet?
Ich habe zuerst Simon und Joe je zwei Tage interviewt. Hätten sie die Geschichte nicht gut erzählt, hätte ich den Film auch nicht machen wollen. Danach habe ich das Material zwei Wochen lang zu einem zweistündigen "Gerüst" des Films zusammengeschnitten. Erst dann habe ich angefangen, ein visuelles Drehbuch zu schreiben und die Hauptsequenzen in einem Storyboard auszuarbeiten. Mein visuelles Konzept war sehr simpel: Der dokumentarischen Teil sollte so einfach wie möglich gehalten werden. Ich wollte mich hauptsächlich auf die Gesichter konzentrieren. Die Spielfilm-Szenen sollten so realistisch wie möglich werden. Das Publikum sollte sich fühlen, als wäre es tatsächlich vor Ort.
Könnten Sie die Mischung aus Dokumentarfilm und Spielfilm noch näher erläutern?
Ich arbeite gerne mit den stilistischen Elementen beider Genres. Ich erzähle gerne eine Dokumentation mit den Erzähltechniken des Spielfilms. Bei Sturz ins Leere sind wir noch einen Schritt weiter gegangen. Beide Genres verschmelzen tatsächlich miteinander. Das war ein enormes Risiko. Die Gefahr dabei ist, dass die Spielfilm-Elemente sehr leichtgewichtig wirken. Sie rutschen im Vergleich zu der „schweren Wahrheit“, die in den dokumentarischen Teilen vermittelt wird, oft ins Unwesentliche ab.
Wie haben Sie die Hauptdarsteller ausgewählt?
Die größte Herausforderung war, Schauspieler zu finden, die sich den Strapazen dieses Drehs wirklich aussetzen wollten. Sie mussten ihre Nasen in Stürme von über 100 Stundenkilometer stecken und Eiszapfen an ihren Bärten akzeptieren! Sie mussten sich Abhänge herunterstürzen! Sie haben das mit großer Begeisterung gemeistert und noch dazu sehr subtil und voller Integrität gespielt.
Wir haben uns zuerst nach Extrembergsteigern umgesehen, die auch Schauspieler sind. Es ist wenig erstaunlich, dass wir niemanden finden konnten. Also suchten wir Schauspieler, die wenigstens ein bisschen klettern konnten.
Die Stunt-Szenen müssen sehr schwierig gewesen sein...
Wir haben die Stunts mit Kletterern gemacht, die sind gewohnt zu fallen. Die Szenen an sich waren nicht schwierig zu drehen, aber Vorbereitung und Setup war sehr zeitaufwendig. Es dauert alles sehr lange, wenn man hoch in den Bergen filmt, besonders wenn man aneinander geseilt ist oder an einem Abhang hängt. Die meisten Stunts wurden von Dave ‚Cubby’ Cuthbertson gemacht, Joes Double. Mir ist ein Ereignis besonders in Erinnerung geblieben. Als wir den großen Sturz von 100 Fuß drehten, hat sich Cubby sehr über mich geärgert. Ich hatte behauptet, der Sturz hätte zu kontrolliert ausgesehen und gefragt: Warum fliegst du nicht schneller? Er war der Meinung ohne jegliche Kontrolle und mit aller Geschwindigkeit die eine Schwerkraft nun mal bewirken kann, gefallen zu sein. Da ist mir klar geworden, dass die Realität ruiniert werden kann, wenn man zu viele Stunts in Hollywood-Filmen gesehen hat. Die Wirklichkeit ist nicht annähernd so dramatisch!
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