Vorschau auf die Berlinale 2008
Nur noch wenige Stunden und dann laufen sie wieder über den roten Teppich vor dem Berlinale-Palast am Potsdamer Platz. Kurz vor dem Start der Berlinale 2008, die vom 7.-17. Februar der Nabel der Filmwelt sein wird, ist es Zeit, einen Blick auf die kommenden zehn Tage und damit auch auf die nächsten Monate in den deutschen Kinos zu werfen. Denn erfahrungsgemäß wird ein Teil der Filme auch den Weg auf die Leinwände hierzulande finden. Und zugleich bietet das Programm der Berlinale mit mehr als 380 Filmen aus aller Herren Länder reichlich Gelegenheit, interessanten Neuentdeckungen sowie Altmeistern des Kinos einen Besuch abzustatten, die sonst kaum auf der großen Leinwand zu sehen sind.
Doch es geht bei dem Filmereignis des Jahres nicht allein um die Filme. Berlin ist als bedeutendstes deutsches Filmfestival nicht nur ein Marktplatz für cineastische Entdeckungen, sondern auch ein Rummelplatz der Eitelkeiten und "big names". Ein Spagat, der Dieter Kosslick und dem Berlinale-Team bis auf wenige Ausnahmen – erinnert sei hier an den unsäglichen Film Bordertown mit Jennifer Lopez, der im letzten Jahr sogar den Wettbewerb "zieren" durfte – recht gut gelungen ist. Auch in diesem Jahr stehen die Zeichen gut für ein erhöhtes Promi-Aufkommen am Potsdamer Platz und damit auf jede Menge Glamour für Berlin, das ja bekanntlich "arm, aber sexy" ist. Das beginnt bereits mit dem Eröffnungsfilm Shine A Light, bei dem unter anderem – neben dem Regisseur Martin Scorsese - die Frage bewegen dürfte, ob die Rolling Stones persönlich anwesend sein werden. Ähnlich gespannt wird ein Gutteil des Publikums dem Festivalbeitrag Filth & Wisdom entgegenfiebern, dessen Regisseurin Madonna mit Sicherheit ein weiteres Glamour-Highlight setzen dürfte – sofern sie denn kommt.
Ganz sicher sein kann man sich ob der Anwesenheit von Constantin Costa-Gavras (Z, Music Box), Sandrine Bonnaire (Die Frau des Leuchtturmwärters, Intime Geständnisse), Susanne Bier (Open Hearts, Nach der Hochzeit), Diane Kruger (Goodbye Bafana), Uli Hanisch (Szenenbildner in nahezu allen Filmen von Tom Tykwer), Walter Murch (Cutter von Francis Ford Coppola und verantwortlich für den Schnitt bei Erfolgen wie Der talentierte Mr. Ripley und Der englische Patient), Alexander Rodniansky (russischer Produzent) und der taiwanesischen Schauspielerin Shu-Qi – bilden doch diese Damen und Herren die Jury der Filmfestspiele.
Das diesjährige Wettbewerbsprogramm der Berlinale präsentiert sich bunt gemischt und versammelt neben Werken bekannter Filmemacher wie Michel Gondrys (The Science of Sleep) außer Konkurrenz laufendem Be Kind Rewind, Doris Dörries Hanami – Die Kirschblüte, Isabel Coixets Elegy, Johnny Tos Sparrow, Amos Kolleks Restless, Andrzej Wajdas Katyn und Mike Leighs Happy-Go-Lucky international weniger bekannte Filmemacher wie Luigi Falorni (Co-Regie bei Die Geschichte vom weinenden Kamel) mit Feuerherz, Lance Hammer mit Ballast und Petri Kotwica mit Musta Jaä. Insgesamt umfasst das Wettbewerbsprogramm 26 Filme.
Fast 50 Filme bilden das diesjährige Programm des Panoramas. Neben zahlreichen Autorenfilmen, die seit jeher das Rückgrat der Reihe bilden, fällt vor allem auf, dass klassische Erzählweisen und Genre-Filme wieder im Kommen sind: Als Beispiele seien hier etwa Det som ingen ved / What No One Knows von Søren Kragh-Jacobsen (u.a. Mifune, Wettbewerb 1999), Jerusalema von Ralph Ziman (Hearts and Minds, Panorama 1996) oder Transsiberian von Brad Anderson (Der Maschinist / The Machinist, Berlinale Panorama 2004) mit Woody Harrelson, Ben Kingsley und Emily Mortimer erwähnt, die auch bei einem breiteren Publikum gut ankommen dürften. Stark vertreten ist dabei auch das Genre Fantasy, das vier Filme aufgreifen: die USA-mexikanische Koproduktion Sleep Dealer von Alex Rivera, die beiden spanischen Produktionen 3 días / Before Fall von Javier Gutiérrez und Eskalofrío / Shiver von Isidro Ortiz, sowie die deutsche Produktion Otto; Or, Up With Dead People des Kanadiers Bruce LaBruce. Ebenfalls gespannt sein darf man auch auf zwei weitere Filme, nämlich Götz Spielmanns Revanche und Eran Riklis’ Lemon Tree, eine israelisch-deutsche Koproduktion mit Hiam Abbas.
Experimentell, außergewöhnlich und vielfältig präsentiert sich das 38. Internationale Forum des jungen Films, das in diesem Jahr Filme aus 33 Ländern, darunter 32 Welt- und internationale Premieren, umfasst. Nach wie vor liegt ein Schwerpunkt auf den Newcomern der Branche, insgesamt stellt das Forum 16 Regiedebüts vor. Außerdem ist eine kleine Werkschau dem japanischen Regisseur Wakamatsu Koji anlässlich der internationalen Premiere seines eindrucksvollen dreistündigen Spielfilms über die japanische Terrorgruppe United Red Army gewidmet. Neben Secrets Behind the Wall, mit dem der Regisseur 1965 im Wettbewerb der Berlinale für Aufsehen sorgte, zeigt das Forum die Klassiker Go, Go Second Time Virgin (1969) und Ecstasy of the Angels (1972). Weitere Special Screenings runden das Programm ab.
Zu einer festen Größe hat sich auch die Perspektive Deutsches Kino gemausert, die in diesem Jahr 13 deutsche Neuentdeckungen präsentiert. Besonders interessant ist bereits der Eröffnungsfilm Berlin – 1. Mai, ein Omnibusfilm, der verschiedene Ansätze, Geschichten und Handschriften von vier Regisseuren ineinander fließen lässt. Zehn der dreizehn Beiträge in der Perspektive Deutsches Kino sind Weltpremieren, elf der Filme gehen in den Wettbewerb um den vom Sender TV 5 Monde und dem Deutsch-Französischen Jugendwerk gestifteten Preis "Dialogue en Perspective", der in diesem Jahr zum fünften Mal verliehen wird. Und wie mittlerweile schon üblich sind bei mehr als der Hälfte der Filme Frauen für die Regie verantwortlich oder an der Regie beteiligt.
Ein Leckerbissen für Cineasten ist auch die diesjährige Retrospektive, die sich dem Altmeister Luis Buñuel widmet. Neben 32 Regiearbeiten des spanischen Regisseurs zeigt die Reihe auch acht weitere Arbeiten, bei denen Buñuel als Regieassistent, Produzent und Drehbuchautor mitwirkte. Neben den Filmen des Spaniers kommen auch vier frisch restaurierte Stummfilme während der Berlinale zur Aufführung: Carl Theodor Dreyers Die Gezeichneten (Deutschland 1921) Robert Reinerts Nerven (Deutschland 1919), Willi Wolfs Schatten der Weltstadt (Deutschland 1925) und Harry O. Hoyts Belle of Broadway (USA 1926). Die diesjährige Hommage ist dem italienischen Regie-Altmeister Francesco Rosi gewidmet, der am 14. Februar den Goldenen Bären für sein Lebenswerk erhält und von dem insgesamt 13 Filme zu sehen sein werden.
24 Spiel- und 31 Kurzfilme aus über 20 Ländern umfasst die diesjährige Programmauswahl der Kinder- und Jugendsektion Generation, darunter acht Welt- und sieben internationale Spielfilmpremieren. Und auch Freunde des Kurzfilms kommen bei der Berlinale voll auf ihre Kosten: 29 kurze Filme, darunter 11 Wettbewerbsbeiträge stellen sich dem Publikum und dem Votum der Jury, die aus der rumänischen Produzentin Ada Solomon, dem französischen Schauspieler und Regisseur Marc Barbé, sowie der jungen deutschen Schauspielerinnen Laura Tonke besteht.
www.kino-zeit.de wird ab dem Eröffnungstag regelmäßig aus Berlin berichten und neben den Filmen des Wettbewerbs vor allem ausgesuchte Highlights aus den Sektionen Panorama und Forum vorstellen. Wir wünschen Ihnen und uns viel Spaß in Berlin. Und vielleicht sehen wir uns ja im Kino…
Doch es geht bei dem Filmereignis des Jahres nicht allein um die Filme. Berlin ist als bedeutendstes deutsches Filmfestival nicht nur ein Marktplatz für cineastische Entdeckungen, sondern auch ein Rummelplatz der Eitelkeiten und "big names". Ein Spagat, der Dieter Kosslick und dem Berlinale-Team bis auf wenige Ausnahmen – erinnert sei hier an den unsäglichen Film Bordertown mit Jennifer Lopez, der im letzten Jahr sogar den Wettbewerb "zieren" durfte – recht gut gelungen ist. Auch in diesem Jahr stehen die Zeichen gut für ein erhöhtes Promi-Aufkommen am Potsdamer Platz und damit auf jede Menge Glamour für Berlin, das ja bekanntlich "arm, aber sexy" ist. Das beginnt bereits mit dem Eröffnungsfilm Shine A Light, bei dem unter anderem – neben dem Regisseur Martin Scorsese - die Frage bewegen dürfte, ob die Rolling Stones persönlich anwesend sein werden. Ähnlich gespannt wird ein Gutteil des Publikums dem Festivalbeitrag Filth & Wisdom entgegenfiebern, dessen Regisseurin Madonna mit Sicherheit ein weiteres Glamour-Highlight setzen dürfte – sofern sie denn kommt.
Ganz sicher sein kann man sich ob der Anwesenheit von Constantin Costa-Gavras (Z, Music Box), Sandrine Bonnaire (Die Frau des Leuchtturmwärters, Intime Geständnisse), Susanne Bier (Open Hearts, Nach der Hochzeit), Diane Kruger (Goodbye Bafana), Uli Hanisch (Szenenbildner in nahezu allen Filmen von Tom Tykwer), Walter Murch (Cutter von Francis Ford Coppola und verantwortlich für den Schnitt bei Erfolgen wie Der talentierte Mr. Ripley und Der englische Patient), Alexander Rodniansky (russischer Produzent) und der taiwanesischen Schauspielerin Shu-Qi – bilden doch diese Damen und Herren die Jury der Filmfestspiele.
Das diesjährige Wettbewerbsprogramm der Berlinale präsentiert sich bunt gemischt und versammelt neben Werken bekannter Filmemacher wie Michel Gondrys (The Science of Sleep) außer Konkurrenz laufendem Be Kind Rewind, Doris Dörries Hanami – Die Kirschblüte, Isabel Coixets Elegy, Johnny Tos Sparrow, Amos Kolleks Restless, Andrzej Wajdas Katyn und Mike Leighs Happy-Go-Lucky international weniger bekannte Filmemacher wie Luigi Falorni (Co-Regie bei Die Geschichte vom weinenden Kamel) mit Feuerherz, Lance Hammer mit Ballast und Petri Kotwica mit Musta Jaä. Insgesamt umfasst das Wettbewerbsprogramm 26 Filme.
Fast 50 Filme bilden das diesjährige Programm des Panoramas. Neben zahlreichen Autorenfilmen, die seit jeher das Rückgrat der Reihe bilden, fällt vor allem auf, dass klassische Erzählweisen und Genre-Filme wieder im Kommen sind: Als Beispiele seien hier etwa Det som ingen ved / What No One Knows von Søren Kragh-Jacobsen (u.a. Mifune, Wettbewerb 1999), Jerusalema von Ralph Ziman (Hearts and Minds, Panorama 1996) oder Transsiberian von Brad Anderson (Der Maschinist / The Machinist, Berlinale Panorama 2004) mit Woody Harrelson, Ben Kingsley und Emily Mortimer erwähnt, die auch bei einem breiteren Publikum gut ankommen dürften. Stark vertreten ist dabei auch das Genre Fantasy, das vier Filme aufgreifen: die USA-mexikanische Koproduktion Sleep Dealer von Alex Rivera, die beiden spanischen Produktionen 3 días / Before Fall von Javier Gutiérrez und Eskalofrío / Shiver von Isidro Ortiz, sowie die deutsche Produktion Otto; Or, Up With Dead People des Kanadiers Bruce LaBruce. Ebenfalls gespannt sein darf man auch auf zwei weitere Filme, nämlich Götz Spielmanns Revanche und Eran Riklis’ Lemon Tree, eine israelisch-deutsche Koproduktion mit Hiam Abbas.
Experimentell, außergewöhnlich und vielfältig präsentiert sich das 38. Internationale Forum des jungen Films, das in diesem Jahr Filme aus 33 Ländern, darunter 32 Welt- und internationale Premieren, umfasst. Nach wie vor liegt ein Schwerpunkt auf den Newcomern der Branche, insgesamt stellt das Forum 16 Regiedebüts vor. Außerdem ist eine kleine Werkschau dem japanischen Regisseur Wakamatsu Koji anlässlich der internationalen Premiere seines eindrucksvollen dreistündigen Spielfilms über die japanische Terrorgruppe United Red Army gewidmet. Neben Secrets Behind the Wall, mit dem der Regisseur 1965 im Wettbewerb der Berlinale für Aufsehen sorgte, zeigt das Forum die Klassiker Go, Go Second Time Virgin (1969) und Ecstasy of the Angels (1972). Weitere Special Screenings runden das Programm ab.
Zu einer festen Größe hat sich auch die Perspektive Deutsches Kino gemausert, die in diesem Jahr 13 deutsche Neuentdeckungen präsentiert. Besonders interessant ist bereits der Eröffnungsfilm Berlin – 1. Mai, ein Omnibusfilm, der verschiedene Ansätze, Geschichten und Handschriften von vier Regisseuren ineinander fließen lässt. Zehn der dreizehn Beiträge in der Perspektive Deutsches Kino sind Weltpremieren, elf der Filme gehen in den Wettbewerb um den vom Sender TV 5 Monde und dem Deutsch-Französischen Jugendwerk gestifteten Preis "Dialogue en Perspective", der in diesem Jahr zum fünften Mal verliehen wird. Und wie mittlerweile schon üblich sind bei mehr als der Hälfte der Filme Frauen für die Regie verantwortlich oder an der Regie beteiligt.
Ein Leckerbissen für Cineasten ist auch die diesjährige Retrospektive, die sich dem Altmeister Luis Buñuel widmet. Neben 32 Regiearbeiten des spanischen Regisseurs zeigt die Reihe auch acht weitere Arbeiten, bei denen Buñuel als Regieassistent, Produzent und Drehbuchautor mitwirkte. Neben den Filmen des Spaniers kommen auch vier frisch restaurierte Stummfilme während der Berlinale zur Aufführung: Carl Theodor Dreyers Die Gezeichneten (Deutschland 1921) Robert Reinerts Nerven (Deutschland 1919), Willi Wolfs Schatten der Weltstadt (Deutschland 1925) und Harry O. Hoyts Belle of Broadway (USA 1926). Die diesjährige Hommage ist dem italienischen Regie-Altmeister Francesco Rosi gewidmet, der am 14. Februar den Goldenen Bären für sein Lebenswerk erhält und von dem insgesamt 13 Filme zu sehen sein werden.
24 Spiel- und 31 Kurzfilme aus über 20 Ländern umfasst die diesjährige Programmauswahl der Kinder- und Jugendsektion Generation, darunter acht Welt- und sieben internationale Spielfilmpremieren. Und auch Freunde des Kurzfilms kommen bei der Berlinale voll auf ihre Kosten: 29 kurze Filme, darunter 11 Wettbewerbsbeiträge stellen sich dem Publikum und dem Votum der Jury, die aus der rumänischen Produzentin Ada Solomon, dem französischen Schauspieler und Regisseur Marc Barbé, sowie der jungen deutschen Schauspielerinnen Laura Tonke besteht.
www.kino-zeit.de wird ab dem Eröffnungstag regelmäßig aus Berlin berichten und neben den Filmen des Wettbewerbs vor allem ausgesuchte Highlights aus den Sektionen Panorama und Forum vorstellen. Wir wünschen Ihnen und uns viel Spaß in Berlin. Und vielleicht sehen wir uns ja im Kino…
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