Nanni Moretti – Biographie und Filmographie
Nanni Moretti wird oft als der italienische Woody Allen bezeichnet. Denn wie der amerikanische Regisseur inszenierte und spielte sich auch der Italiener in seinen Komödien der 1970er und 1980er Jahre fast immer auch selbst. So intensiv wie Woody Allen sich in den meisten seiner Filme mit New York beschäftigt hat, sind Nanni Morettis Filme von seiner Wahlheimat Rom geprägt. Dort ist er aufgewachsen, geboren wurde er allerdings 1953 in Bruneck in Südtirol. Doch anders als Woody Allen ist Moretti ein äußerst politischer Filmemacher, der sich in seinen Werken häufig mit der Linken Partei Italiens beschäftigt.
Seine Jugend verbrachte er in Rom, wo er seine Liebe zu Kino, Wasserpolo und Politik entdeckte. Als 20-jähriger begann er mit einer Super-8-Kamera Filme mit Freunden zu drehen. Nanni Moretti behauptet von sich selbst, kein traditioneller Filmemacher zu sein, sondern eher jemand der Filme dann macht, wenn er etwas zu sagen hat. Er arbeitet nicht nur als Regisseur, sondern auch als Produzent und Schauspieler, bis jetzt mit einem Auftritt in jedem seiner Filme.
1987 gründete er zusammen mit Angelo Barbagallo die Produktionsfirma \"Sacher Film\", benannt nach der berühmten Schokotorte. Ebenso auch sein Programmkino \"Nuovo Sacher\", das er 1991 in Rom eröffnet hat und in dem er künstlerisch anspruchsvolle Filme zeigt. 1996 folgte das \"Sacher Festival\", ein Kurzfilmfestival, auf dem hauptsächlich Filme italienischer Nachwuchsregisseure zu sehen sind.
Morettis Filme ähneln Tagebüchern, in denen er seine Sicht auf die Gesellschaft und die Welt um sich herum wiedergibt. Er steht selbst im Mittelpunkt und lässt sehr viel aus seinem eigenem Leben in seine Filme einfließen.
1977 debütierte Moretti mit der im dokumentarischen Stil geprägten Komödie Ich bin ein Autarkist / Io sono un autarchico, in der er die Hauptrolle spielte. Der autobiographisch gefärbte Film erzählt die Geschichte eines Studenten, der von seiner Frau verlassen wurde und der mit der Erziehung seines Kindes völlig überfordert ist. Doch statt zu arbeiten, produziert er ein avantgardistisches Theaterstück.
Ein Jahr später folgte die Komödie Die Nichtstuer / Ecce bombo, für die Moretti für die Goldene Palme beim Filmfestival in Cannes nominiert war. Der Film ging leer aus, wurde dennoch ein großer Überraschungserfolg weit über die Grenzen Italiens hinaus. Moretti übernahm wieder die Hauptrolle wie auch in allen folgenden Filmen bis 2001. Der Film handelt von einer Gruppe junger, orientierungsloser Menschen der italienischen Mittelklasse.
Weniger erfolgreich war seine nächste Komödie Goldene Träume / Sogni d’oro, die 1981 entstand und von den Leiden eines Filmemachers erzählt. Probleme mit seinem neuen Film, seiner Mutter, seiner Liebe machen ihm zu schaffen. Immerhin gewann der ebenso stark autobiographisch geprägte Film, der die politische Lage und die gesellschaftlichen Umwälzungen Italiens widerspiegelt, den Spezialpreis der Jury in Venedig.
Auch sein nächster Film, im Jahr 1984, war eine Komödie. In Bianca spielt Moretti einen jungen Lehrer, der sich in eine Kollegin verliebt und zudem eines Mordes verdächtigt wird.
1985 dreht Moretti mit Die Messe ist aus / La messa è finita sein erstes Drama. In dem Film spielt er einen jungen Priester, der in eine Gemeinde nach Rom versetzt wird und sich dort mit den Konflikten mit alten 68er-Freunden und seiner Familie auseinandersetzen muss. Der Film, der kritisch auf die italienische Gesellschaft blickt, gewann bei der Berlinale 1986 den silbernen Bären.
Seine Leidenschaft für Wasserball und Politik kam in seinem nächsten Film zu tragen. 1989 inszenierte Moretti die politische Komödie Wasserball und Kommunismus / Palombella rossa, in der er einen unter Verwirrung und Gedächtnisverlust leidenden Abgeordneten der Kommunistischen Partei spielt. Der Film über die Krise der Kommunistischen Partei Italiens wurde nicht wie üblich in Rom, sondern hauptsächlich in Sizilien gedreht.
Internationalen Erfolg bescherte ihm 1993 sein nächster Film Liebes Tagebuch / Caro diario, ein autobiographischer Essay in Form eines filmischen Tagebuchs, in der er zum kritischen Beobachter und Chronisten der italienischen Gesellschaft wird. Beim Filmfestival Cannes 1994 erhielt er für die Tragikomödie, in der er sich größtenteils mit seiner Krankheit und den Arztbesuchen auseinandersetzt, die Auszeichnung für die beste Regie.
1998 folgte Aprile ebenfalls ein autobiografischer Essay, in dem Moretti über sein eigenes Leben, aber auch über die politische Situation seines Landes berichtet. Im Mittelpunkt steht die Geburt seines Kindes, dessen Zukunft er aus den Ereignissen der Gegenwart zu schlussfolgern versucht. Am Anfang von Aprile tritt zum ersten Mal Silvio Berlusconi in Erscheinung, mit dem sich Moretti in den nächsten Jahren noch viel beschäftigen wird.
2001 gewann er die Goldene Palme für Das Zimmer meines Sohnes / La stanza del figlio für die beste Regie. Das Drama erzählt die Geschichte einer harmonischen, kleinbürgerlichen Familie, die plötzlich mit dem Unfalltod des Sohnes konfrontiert wird. Die Familie droht daraufhin zu zerfallen, der Vater fühlt sich schuldig am Unglück. Ein gefühlvoll und behutsam inszenierter Film über das Gefühl der Trauer und die Schwierigkeit, diese zu bewältigen.
2006 war Moretti mit Der Italiener / Il Caimano wieder für die Goldene Palme in Cannes nominiert. In Italien startete der Film einige Wochen vor den Wahlen und war ein Boxoffice-Hit. Ein Spielfilm, der sich mit der zwölfjährigen Regierungszeit des Medienmoguls und italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi beschäftigt.
Filmographie – Nanni Moretti (Regie)
2010
Habemus Papam
2007
Chacun son cinéma (Segment: Diaro di uno spettatore)
2006
Il Caimano (Der Italiener)
2001
La stanza del figlio (Das Zimmer meines Sohnes)
1998
Aprile
1993
Caro diario (Liebes Tagebuch)
1989
Palombella rossa (Wasserball und Kommunismus)
1985
La messa è finita (Die Messe ist aus)
1984
Bianca
1981
Sogni d’oro (Goldene Träume)
1978
Ecce bombo (Die Nichtstuer)
1976
Io sono un autarchico (Ich bin ein Autarkist)
Seine Jugend verbrachte er in Rom, wo er seine Liebe zu Kino, Wasserpolo und Politik entdeckte. Als 20-jähriger begann er mit einer Super-8-Kamera Filme mit Freunden zu drehen. Nanni Moretti behauptet von sich selbst, kein traditioneller Filmemacher zu sein, sondern eher jemand der Filme dann macht, wenn er etwas zu sagen hat. Er arbeitet nicht nur als Regisseur, sondern auch als Produzent und Schauspieler, bis jetzt mit einem Auftritt in jedem seiner Filme.
1987 gründete er zusammen mit Angelo Barbagallo die Produktionsfirma \"Sacher Film\", benannt nach der berühmten Schokotorte. Ebenso auch sein Programmkino \"Nuovo Sacher\", das er 1991 in Rom eröffnet hat und in dem er künstlerisch anspruchsvolle Filme zeigt. 1996 folgte das \"Sacher Festival\", ein Kurzfilmfestival, auf dem hauptsächlich Filme italienischer Nachwuchsregisseure zu sehen sind.
Morettis Filme ähneln Tagebüchern, in denen er seine Sicht auf die Gesellschaft und die Welt um sich herum wiedergibt. Er steht selbst im Mittelpunkt und lässt sehr viel aus seinem eigenem Leben in seine Filme einfließen.
1977 debütierte Moretti mit der im dokumentarischen Stil geprägten Komödie Ich bin ein Autarkist / Io sono un autarchico, in der er die Hauptrolle spielte. Der autobiographisch gefärbte Film erzählt die Geschichte eines Studenten, der von seiner Frau verlassen wurde und der mit der Erziehung seines Kindes völlig überfordert ist. Doch statt zu arbeiten, produziert er ein avantgardistisches Theaterstück.
Ein Jahr später folgte die Komödie Die Nichtstuer / Ecce bombo, für die Moretti für die Goldene Palme beim Filmfestival in Cannes nominiert war. Der Film ging leer aus, wurde dennoch ein großer Überraschungserfolg weit über die Grenzen Italiens hinaus. Moretti übernahm wieder die Hauptrolle wie auch in allen folgenden Filmen bis 2001. Der Film handelt von einer Gruppe junger, orientierungsloser Menschen der italienischen Mittelklasse.
Weniger erfolgreich war seine nächste Komödie Goldene Träume / Sogni d’oro, die 1981 entstand und von den Leiden eines Filmemachers erzählt. Probleme mit seinem neuen Film, seiner Mutter, seiner Liebe machen ihm zu schaffen. Immerhin gewann der ebenso stark autobiographisch geprägte Film, der die politische Lage und die gesellschaftlichen Umwälzungen Italiens widerspiegelt, den Spezialpreis der Jury in Venedig.
Auch sein nächster Film, im Jahr 1984, war eine Komödie. In Bianca spielt Moretti einen jungen Lehrer, der sich in eine Kollegin verliebt und zudem eines Mordes verdächtigt wird.
1985 dreht Moretti mit Die Messe ist aus / La messa è finita sein erstes Drama. In dem Film spielt er einen jungen Priester, der in eine Gemeinde nach Rom versetzt wird und sich dort mit den Konflikten mit alten 68er-Freunden und seiner Familie auseinandersetzen muss. Der Film, der kritisch auf die italienische Gesellschaft blickt, gewann bei der Berlinale 1986 den silbernen Bären.
Seine Leidenschaft für Wasserball und Politik kam in seinem nächsten Film zu tragen. 1989 inszenierte Moretti die politische Komödie Wasserball und Kommunismus / Palombella rossa, in der er einen unter Verwirrung und Gedächtnisverlust leidenden Abgeordneten der Kommunistischen Partei spielt. Der Film über die Krise der Kommunistischen Partei Italiens wurde nicht wie üblich in Rom, sondern hauptsächlich in Sizilien gedreht.
Internationalen Erfolg bescherte ihm 1993 sein nächster Film Liebes Tagebuch / Caro diario, ein autobiographischer Essay in Form eines filmischen Tagebuchs, in der er zum kritischen Beobachter und Chronisten der italienischen Gesellschaft wird. Beim Filmfestival Cannes 1994 erhielt er für die Tragikomödie, in der er sich größtenteils mit seiner Krankheit und den Arztbesuchen auseinandersetzt, die Auszeichnung für die beste Regie.
1998 folgte Aprile ebenfalls ein autobiografischer Essay, in dem Moretti über sein eigenes Leben, aber auch über die politische Situation seines Landes berichtet. Im Mittelpunkt steht die Geburt seines Kindes, dessen Zukunft er aus den Ereignissen der Gegenwart zu schlussfolgern versucht. Am Anfang von Aprile tritt zum ersten Mal Silvio Berlusconi in Erscheinung, mit dem sich Moretti in den nächsten Jahren noch viel beschäftigen wird.
2001 gewann er die Goldene Palme für Das Zimmer meines Sohnes / La stanza del figlio für die beste Regie. Das Drama erzählt die Geschichte einer harmonischen, kleinbürgerlichen Familie, die plötzlich mit dem Unfalltod des Sohnes konfrontiert wird. Die Familie droht daraufhin zu zerfallen, der Vater fühlt sich schuldig am Unglück. Ein gefühlvoll und behutsam inszenierter Film über das Gefühl der Trauer und die Schwierigkeit, diese zu bewältigen.
2006 war Moretti mit Der Italiener / Il Caimano wieder für die Goldene Palme in Cannes nominiert. In Italien startete der Film einige Wochen vor den Wahlen und war ein Boxoffice-Hit. Ein Spielfilm, der sich mit der zwölfjährigen Regierungszeit des Medienmoguls und italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi beschäftigt.
Filmographie – Nanni Moretti (Regie)
2010
Habemus Papam
2007
Chacun son cinéma (Segment: Diaro di uno spettatore)
2006
Il Caimano (Der Italiener)
2001
La stanza del figlio (Das Zimmer meines Sohnes)
1998
Aprile
1993
Caro diario (Liebes Tagebuch)
1989
Palombella rossa (Wasserball und Kommunismus)
1985
La messa è finita (Die Messe ist aus)
1984
Bianca
1981
Sogni d’oro (Goldene Träume)
1978
Ecce bombo (Die Nichtstuer)
1976
Io sono un autarchico (Ich bin ein Autarkist)




