L 'Auberge Espagnole - Interview mit Regisseur Cédric Klapisch

Kinostart: 13.11.2004
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Am 13.11.2004 kommt die Komödie L'Auberge Espagnole von Cédric Klapisch in die deutschen Kinos. Cédric Klapisch ist einer der bekanntesten Vertreter des zeitgenössischen französischen Kinos.

Im Film LE PÉRIL JEUNE befassten Sie sich mit den „Gymnasialjahren“. Die „Unijahre“ in der L’AUBERGE ESPANGNOLE wirken wie eine Fortsetzung. Basiert diese Geschichte auf Tatsachen?
Eine Fortsetzung war von mir keineswegs beabsichtigt. Dagegen ist dieser Film tatsächlich inspiriert von realen Ereignissen oder Beobachtungen. Ich habe eine sieben Jahre jüngere Schwester, die in Paris ein Architekturstudium begonnen hat, um dann in den ersten Jahren des Erasmus-Programms nach Barcelona zu wechseln. Ich besuchte sie dort, und was ich während einer Woche erlebte, hat mich sehr belustigt. Sie lebte mit fünf, sechs Leuten verschiedener Nationalität zusammen. Ich nannte es die spanische Herberge! Es war irgendwie ziemlich neu, die erste europäische Generation, die zusammenlebte. Zur damaligen Zeit war es eine echte Entdeckung, dass das überhaupt funktionierte. Es war gleichzeitig konfus und harmonisch. Der Film erzählt viel über diesen Gegensatz zwischen Konfusion und Harmonie.

Was hat es mit dem „offenen Leben“ auf sich?
Ein offenes Leben ist ein Leben, das gleichzeitig in verschiedenen Richtungen verläuft. Xaviers Leben im Film ist offen, weil er sich während einer unbeständigen Zeit unbeständig fühlt. Sein Weg ist noch nicht geplant, es gibt ihn noch nicht, er ist unterwegs, es gibt keine vorgezeichnete Bahn für ihn. Es ist wirklich der Film eines Werdegangs, vergleichbar einem Bildungs- oder Initiationsroman. Xavier ist gleichzeitig jung und alt, so wie Europa jung und alt ist. Auch Europa kann als „offen“ betrachtet werden. Es gibt einen Zusammenhang zwischen Xaviers Situation des Übergangs vom Jugendlichen zum Erwachsenen und Europa. Davon versuche ich seit langem zu sprechen, von dieser nicht kontinuierlichen Seite der Dinge. Das Leben ist mehr und mehr unzusammenhängend, das heißt, es gibt immer weniger Logik im Verlauf eines Tages, eines Lebens. Das steckt hinter der Idee des Offenen: Die Dinge sind immer mehr so, auch die Umwelt, und die Ereignisse verlieren mit ihrer Dauer den Zusammenhang, werden surrealistisch und diskontinuierlich. In diesem Film gibt es oft ein läutendes Handy, ein Gespräch unterbricht ein anderes, man wechselt von einer Sprache zu einer anderen, von einer Person zur anderen, von einem Universum zum anderen. Man switcht, man zappt die ganze Zeit. Was die Figur Xavier dabei lernt, ist, dass das nicht unbedingt negativ sein muss. Er sehnt sich nach einer gewissen Logik, nach einer gewissen Kontinuität, und gleichzeitig lernt er, mit seinem diskontinuierlichen Leben zu leben. Der Film erzählt, wie man in einer Welt ohne Zusammenhang zurechtkommen kann - in Harmonie mit dem Chaos.

Wie sind Sie beim Verfassen des Drehbuchs vorgegangen? Haben Sie sich von Ihrer Schwester inspirieren lassen?
Nicht nur. Vor fünf Jahren hatte ich eine Freundin, die im Rahmen des Erasmus-Programms in Barcelona ein Zeichenstudium aufnahm, und ich habe sie regelmäßig besucht. Der Film ist auch aus diesem Pendeln entstanden. Ich kannte die Stadt gut und hatte Lust, dort zu drehen. Auch was ich in den zwei Jahren meines Aufenthalts in New York erlebt habe, hat mir beim Schreiben des Drehbuchs geholfen. Im Alter zwischen 23 und 25 habe ich als Student ein Emigrantenleben geführt mit allem, was das bedeuten kann. Alles, was im Film damit verbunden ist, hat mit meinen Erlebnissen zu tun, das ist der einzige Zusammenhang mit LE PÉRIL JEUNE. Beide Filme sind aus der Realität hervorgegangen, obwohl sie beide reine Fiktion sind. Ich habe mich intensiv mit den Erasmus-Studenten und mit der Realität der Dinge befasst - und dann habe ich wirklich eine Geschichte erfunden, die mehr auf einer dramatischen Konstruktion als auf einer Abfolge von Erinnerungen beruht.

Ist es schon oft vorgekommen, dass Sie bestimmte Szenen im Lauf der Dreharbeiten schreiben?
Ich habe das Drehbuch in zwölf Tagen verfasst, zwei Monate vor Drehbeginn. Diese erste Fassung wurde ständig umgeschrieben. Während der Vorbereitung wartete das Team auf die Seiten des Drehbuchs, damit man das Casting, die Standortbestimmungen, die Organisation der Dreharbeiten erledigen konnte. Alles geschah von einem Tag auf den andern, von einem Blatt des Drehbuchs zum nächsten! Und so ging es während der Dreharbeiten weiter.

War dieses Gemeinschaftsleben für Sie ein guter Ausgangspunkt?
Ja, denn dieser ganze diskontinuierliche, unzusammenhängende und polyphone Aspekt ist eine Quelle der Komödie. Das Teilen einer Wohnung mit Leuten, die verschiedene Sprachen sprechen, ist zwangsläufig komisch, aber nicht nur die Sprachen mischen sich. Ich hatte von einer Geschichte zwischen einer Andalusierin und einem Dänen gehört, die ich im Film aufgenommen habe: Der eine isst um 18 Uhr zu Abend, die andere um 23 Uhr... Das Problem dieses Paars ist das Problem, dem sich Europa gegenüber sieht. Ein ausgezeichnetes Material für ein Szenario! Es dient gleichzeitig als Nahrung für eine Komödie, für Reflexionen und Fragen über Europa und allgemein über Unterschiede.

Wie sind Sie auf das Erasmus-Programm gekommen?
Es existiert seit zehn oder zwölf Jahren und ermöglicht ein Studium in anderen Ländern Europas. Dieses auf politischer und institutioneller Basis ins Leben gerufene Programm bietet einen außergewöhnlichen Lebensmoment. Ich denke, dass es eine neue Geistesgeneration hervorbringt. Mit 20 oder 25 Jahren im Ausland zu studieren ist eine Lebenserfahrung, die ich jedem wünsche.
Die ganze Geschichte dreht sich um Xavier. Wer ist er wirklich?
Ich würde sagen, er ist ein durchschnittlicher, eher bürgerlicher Franzose. Einer, der Probleme zu regeln hat – mit seiner Familie, seiner Identität, seiner Sexualität, seiner Freundin, die er in Paris zurück lässt. Mich interessierte das Spiel mit einem, der in jedem Sinn des Begriffs ziemlich durchschnittlich ist.

Haben Sie diese Figur Romain Duris auf den Leib geschrieben?

Ja, absolut. Diese Art von Charakter hatte er noch nie gespielt. Ich wollte ihn unbedingt losbekommen von diesen Pariser Szenegängern oder Extremisten, die er schon verkörpert hatte. Hier ging es genau darum, weder extrem noch „in“ zu sein, sondern ein gewöhnlicher, etwas einfältiger, ganz normaler Typ. Dafür musste man ihn verwandeln. Zuerst konnte er sich nur schwer bereit erklären, sich die Haare schneiden zu lassen, aber dann sah er ein, dass er auf dem richtigen Weg war. In Wahrheit spielte er diese Person sehr gern. Er musste in einem zweimonatigen Intensivkurs Spanisch lernen, und er steckte viel Arbeit in die Vorbereitung auf diese Figur.

Die anderen, die in dieser Wohnung leben, sind ebenfalls nicht außergewöhnlich, aber sie haben alle eine Besonderheit ...
Das war die Schwierigkeit dieses Films: Europäer zu porträtieren, ohne in die Karikatur zu verfallen. Bei der Wahl der übrigen Personen bin ich wie bei Romain vorgegangen, das heißt, ich habe zuerst die Darstellerinnen und Darsteller ausgewählt, bevor ich die Personen festgelegt habe.

Wie sind Sie vorgegangen?
Vor dem Verfassen des Drehbuchs habe ich in London, Rom, Kopenhagen, Spanien und Deutschland Castings durchgeführt. In jedem Land wurde ein Casting-Leiter ausgesucht, der eine Vorauswahl traf. Zusammen mit Bruno Levy sah ich mir innerhalb von zwei Tagen etwa dreißig Darsteller an. Wir wählten eine, manchmal zwei oder gar drei Personen aus. In einem ersten Schritt schrieb ich für sie einen Text als Grundlage für die Figur, die sie spielen sollten. Romain begleitete uns auf unserer Europareise. Es schien uns eine gute Idee, dass er den anderen das Stichwort gab. Dieser Film war ein globales Abenteuer. Jeder Schauspieler, jede Schauspielerin führte mich gewissermaßen auf die Spur einer Person: So kam es beispielsweise, dass Kelly Reilly die Engländerin wurde. Ich kam nicht unbedingt deswegen auf sie, weil sie ganz England repräsentierte, aber weil sie auf gleiche Weise englisch ist, wie Romain Duris französisch. Aber er steht für Frankreich, Frederico d’Anna steht für Italien, und das trifft auf alle zu. Da ich von einem Individuum ausging, war die notwendige Dosis an Karikatur gegeben, um das jeweilige Land zu verkörpern, aber der Ausgangspunkt war eine Identität. Und alle fanden es äußerst lustig zu entdecken, in welchem Ausmaß die Engländerin englisch, die Spanierin spanisch ist.

Tatsächlich bleiben in erster Linie nicht Karikaturen haften, sondern Momente: etwa die Szene, in der Isabelle Xavier beibringt, wie man einer Frau Befriedigung verschafft, die Szene mit der Fliege oder die Ankunft von Alistaire...
Es lag mir daran, über Europa zu reden, aber nicht nur. Ich wollte das Porträt eines jungen Mannes von 25 Jahren zeichnen. Es sind nicht globale Ideen, die einen dazu treiben, Filme zu machen, im Gegenteil: Oft sind es kleine Geschichten. Sie machen es aus, dass eine Szene dann auch für andere einleuchtend wird. Ich bin von besonderen Geschichten und besonderen Individuen ausgegangen und versuchte herauszufinden, wie man damit zu etwas allgemeineren Situationen gelangt.

Wie schreibt man eine solche Szene?
Das ist mit zwei Dingen verbunden, die ich erlebt habe. Als ich in den USA war, hatte ich ein Erlebnis mit einer Lesbierin, das der Geschichte von Isabelle ziemlich nah kam. Die Szene, in der sie ihm erklärt, dass sie lesbisch ist, habe ich genau so erlebt. Ich habe mich oft gefragt, weshalb mich das interessiert hatte. Die Unmöglichkeit des Begehrens ist ein Thema, das mich sehr beschäftigt. Warum kann man einen Menschen lieben, ohne ihn zu begehren? Das hat mir unlängst eine Lesbierin beigebracht. Ich fand ihre Lektion so interessant, dass ich Lust hatte, die Erfahrung zu teilen.

Und Sie haben die Lektion ausprobiert?
Mit großem Erfolg! Ich denke, es ist dasselbe für ein Mädchen, das mit einem Homosexuellen redet. Er kann ihr viel darüber beibringen, was ein Junge empfindet. Alle Leute sollten diese Art von Erfahrungen teilen!

Die Französin Cécile ist unglaublich in ihrer Rolle ...
Das stimmt, aber sie hatte einige Mühe, sich mit dieser Person zu identifizieren. Schließlich ist sie ihr auf die Spur gekommen, indem sie sich erkundigt hat, in Gesprächen mit Lesbierinnen. Sie ist wirklich großartig, sie hat eine echte Person zustande gebracht - indem sie an ihrer männlichen Hälfte arbeitete, wie sie sagt.

Im Film gibt es diese Verbindung, mit der man sich leicht identifizieren kann, aber es gibt auch das Paar, das der Arzt und seine Frau bilden. Sie verkörpern alles, was die anderen nicht werden wollen ... Lag Ihnen an dieser Gegenüberstellung?
Ja, denn da ist eine Sache, die mich am Reisen fasziniert. Als ich in New York wohnte, traf ich Leute, mit denen ich in Paris kein Wort gewechselt hätte. Aber sie waren Franzosen und lebten in New York. Ich kam dazu, ihre Bekanntschaft zu machen und sie sogar sympathisch zu finden, obwohl ich bei unserer ersten Begegnung dachte, sie seien die letzten Leute, mit denen ich mich unterhalten möchte. Da ist diese ziemlich magische Seite des Reisens, die es mit sich bringt, dass man aus seinem Schneckenhaus, aus seiner Muschel, aus seinen Vorurteilen herauskommt. Xavier lernt dabei, seine Vorurteile abzulegen, denn er kommt schließlich so weit, dass er diese Leute, die er verklemmt und snobistisch findet und mit denen er lieber nicht reden würde, wirklich schätzt.

Der Film ist die Geschichte eines Abflugs. Alle Figuren heben ab, mit Ausnahme von Judith Godrèche ...
Sie hebt nicht ab, nein, aber es ist auch vor allem die Geschichte von Xaviers Abflug. Bei ihr wie bei den anderen hofft man, dass es ihr später gelingen wird abzuheben! Mir scheint, sie schafft es dennoch, als sie mit Xavier im Hotelzimmer ist. Ich glaube, es gibt Situationen im Leben, in denen man sich verändern kann, und andere, in denen man sich auf sich selbst konzentriert. Für sie ist es nicht der Moment, in dem sie sich verändern will, auch wenn das Erlebnis mit Xavier für sie sehr wichtig ist. Trotzdem kommt es vorübergehend zu einem kleinen Abheben, denn sie ist eine romantische Person.

Und was würden sie zur Person von Audrey Tautou sagen, die Xavier das Leben schwer macht?
Sie ist so, weil sie dabei ist, ihn zu verlieren. Sie ist vielleicht etwas verbittert. Ein Anflug von Tragik liegt in dem, was sie erlebt und in dem, was sie ist. Ich denke aber, dass sie nicht besonders stolz auf sich ist. Erst gegen Ende wird sie sanfter.

War die Rolle nicht etwas klein für Audrey Tautou?
Schon, aber man muss wissen, dass AMÉLIE damals noch nicht herausgekommen war. Zum Zeitpunkt der Dreharbeiten war ihr Leben nicht das gleiche wie heute! Wir arbeiteten mehrere Tage zusammen, und sie freute sich sehr, auf dem Set zu sein, auch wenn es nur eine kleine Rolle war. Für sie und für mich war es sehr angenehm. Eine wirkliche Begegnung. Ich denke, niemand hätte dieser Figur eine solche Intensität geben können, und gerade weil sie nicht oft präsent ist, brauchte ich eine Schauspielerin mit einer starken Persönlichkeit. Audrey ist ein Tank, der sich in einem Teekrug aus Porzellan versteckt.

Wie inszeniert man diese L’AUBERGE ESPAGNOLE, in der jeder seine eigene Sprache spricht? Konnten alle Französisch?
Nein, aber alle konnten Englisch! Einige sprachen Französisch, der Däne, der Deutsche, die Spanierin ein bisschen. Es ist ein Horror, Schauspielern in einer Fremdsprache Anweisungen zu geben! Zu einer bestimmten Zeit war dieser Film wirklich eine spanische Herberge! Eine Art Turm zu Babel, in dem jeder mit einer anderen Zunge redete – ich sprach eine Art von „globalem Kauderwelsch“.

Und die Stimmung war so wie in der Wohnung?
Sie war fröhlich, toll. Ich erlebte ein unglaubliches kreatives Hoch! In den zwei Monaten der Dreharbeiten habe ich fast nie geschlafen. Und wir waren ja auch in dieser Stadt Barcelona, in der man sich fragt, ob die Leute je schlafen, seien sie Studenten oder Büroangestellte. Sie gehen um sechs Uhr morgens nach Hause und sind um acht Uhr im Büro! Die Energie, die der Film ausstrahlt, spiegelt die Energie dieser Stadt, von Spanien, von diesen jungen Leuten. Man war gezwungen mitzuziehen! Es war ein fröhliches Bordell, niemals eine Plage. Es ging immer lustig zu. Anfangs dachte ich, dieser Film sei in der kurzen Zeit, die wir hatten, unmöglich zu realisieren, aber ich sagte mir: „Ich mache ihn nur, wenn das Drehen Spaß macht.“

Warum haben Sie mit einer Digitalkamera gedreht?
Ich drehte mit einer HD-Cam. Noch so eine Verrücktheit! Die einzigen, die dieses System vor uns verwendet hatten, waren die Leute von VIDOCQ oder STAR WARS, und diese Art von Film wollte ich auf keinen Fall machen. Momentan ist eine kleine technische Revolution im Gang, die ein anderes Filmen ermöglicht. Ich habe die Szene mit der Elektrizitätspanne erfunden, weil ich wusste, dass man im Licht eines Streichholzes oder Feuerzeugs filmen kann. Viele Szenen sind mit diesen neuen Möglichkeiten verbunden: die Verwendung von Zeitraffern, die Trickaufnahmen, die ich mit einer 35mm-Kamera nicht gedreht hätte. Es gibt ein ziemlich geniales Gefühl der Freiheit, aber das hat nichts mit Dogma zu tun, denn ich habe es genau deshalb gemacht, um nicht dogmatisch zu sein. Man braucht sich nicht unnötige Zwänge aufzuerlegen. Dadurch hat sich auch die Arbeit mit den Schauspielern stark verändert, die so mehr Zeit zum Ausprobieren haben. Dominique Colin, der Kameramann von PÉRIL JEUNE und von RIEN DU TOUT, mit dem ich bei diesem Film wieder gearbeitet habe, liebt Experimente. Er ist einer der ersten, die dieses neue Format verwendet haben. Er hatte schon immer einen ausgeprägten Pioniergeist, und das hat zwangsläufig mit Tüfteln zu tun – dem fühle ich mich ziemlich verwandt.

Wie sind Sie bei der Wahl der Musik vorgegangen?
Loïc Dury, der die Musik zu PEUT-ÊTRE geschrieben hatte, hat die Originalmusik komponiert. Abgesehen davon haben wir das unerhörte Glück gehabt, ein Stück von Daft Punk verwenden zu können. Ich habe die Szene mit dieser Musik gedreht in der Hoffnung, die Rechte zu bekommen, und so war es dann auch. Es ist eine Musik, die repräsentativ ist für die Energie und eine gewisse Dissonanz der 25-Jährigen. Zudem gibt es die Musik von Radiohead. Auch da war es nicht leicht, die Rechte zu bekommen. Beide Stücke sind äußerst wichtig für die emotionale und melancholische Seite des Films. Es war schwierig, sentimental zu sein, ohne einfältig zu werden.

Haben Sie beim Drehen wieder das „Bauchweh“ gespürt, von dem die Figur Xavier spricht?
Zum Glück spüre ich es immer seltener! Jedenfalls ist es bei diesem Film nicht aufgetreten. Es ist vor allem ein vergnüglicher Film. Ich bin mit vielen Leuten zusammen gewesen, die ich seit langem kenne und mit denen mich eine Komplizenschaft verbindet. Nein, dieser Film hat nicht viel Bauchweh verursacht -und wenn, dann höchstens wegen der Lachkrämpfe.

Am Schluss, wenn Xavier sein Kinderfoto betrachtet, sagt er: „Ich will ihn nicht enttäuschen.“ Sagen Sie sich das auch?
In gewisser Weise schon. Als Kind träumte ich davon, Regisseur zu werden. Ich bin stolz, dass ich diesen Kinderwunsch verwirklicht habe. In meinem Schluss drückt sich der Wille aus, mit dem acht- bis zehnjährigen Knaben zu sprechen, der ich war, um ihm zu sagen: „Na los, träum weiter, es lohnt sich!“ Xavier wird seine Schreibversuche fortsetzen. Der Film versucht, die Menschen zum Lachen zu bringen und fordert sie auf: „Macht das aus eurem Leben, worauf ihr Lust habt.“

Man könnte anfügen: „und belügt euch nicht selbst.“
Ja, das ist eine essentielle Botschaft in einer Zeit der Unschlüssigkeit und des Hinterfragens. Zu viele Leute folgen dem leichten Weg und sind nicht sie selbst, denn es ist schwer, den Mut aufzubringen, man selbst zu sein; es ist schwer, zu seiner Besonderheit zu stehen und nicht den von den anderen vorgezeichneten Trampelpfaden zu folgen.
   
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