Jackie Chan – Biographie und Filmographie

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„Ich liebe Action, aber ich hasse Gewalt. Deshalb halte ich diese choreographische Lösung für die beste“. Als Jackie Chan dies verkündete, war er längst das Idol einer riesigen Fangemeinde, der er mit seinen Kampfkünsten ein gutes Vorbild sein wollte. Mit seiner bewährten Mischung aus spektakulären Stunts, virtuoser Akrobatik, slapstickartigem Humor und Kungfu-Kämpfen avancierte er in den 80ern zum Publikumsliebling Nummer Eins in Hongkong.

Der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Jackie Chan gilt noch heute als äußerst freundlich und geduldig im Umgang mit seinen Fans. Selbst nach dem Aufstieg zum populärsten Kinohelden in Hongkong ist er immer auf dem Boden der Realität geblieben. Gerade deswegen konnten sich viele Zuschauer aus seiner Heimat so gut mit der Person Jackie Chan identifizieren. Ein einfacher Junge aus dem Volk, der es mit viel Mühe und Fleiß zu Erfolg und Ruhm gebracht hat. Starallüren oder arrogantes Verhalten wurden ihm noch nie nachgesagt.

Als Chen Gang Sheng wurde Jackie Chan 1954 in Hongkong geboren. Seine Eltern waren dorthin aus der chinesischen Provinz Shangdong geflohen. Kurz darauf emigrierte die Familie nach Australien, wo der Vater als Küchenhilfe und die Mutter als Putzfrau arbeiteten. Jackie wurde als Siebenjähriger jedoch nach Hongkong zurück geschickt, um dort eine Ausbildung als Pekingopernschüler an der „China Drama Akademie“ aufzunehmen. Die nächsten zehn Jahre bestanden aus hartem Gesangs-, Tanz-, und Körpertraining. Schon frühzeitig verfügte er über besonders gute schauspielerische Qualitäten. Als Achtjähriger stand er das erstmal vor der Kamera. Nach Big and Little Wong Tin Bar (1962) folgten weitere Kinderrollen.

Als er Anfang der 70er Jahre seine Ausbildung am Pekingopern-Internat abschloss, war jedoch in Hongkong die populäre chinesische Oper aus der Mode gekommen. Stattdessen war das Filmgenre Kung Fu mit Kampfkunst-Legende Bruce Lee en vogue. Dieser Trend löste einen regelrechten Boom in der Hongkong-Filmindustrie aus. Talentierte Fighter und Stuntmen waren sehr gefragt. Seine in der Ausbildung hart antrainierten Kampfkünste konnte Jackie Chan in den folgenden Jahren hervorragend als Statist und Stuntman einbringen. Unter dem Pseudonym Chen Yuen Long kämpfte er an der Seite seiner Pekingoper-Brüder Sammo Hung und Yuen Biao, mit denen er später noch zahlreiche weitere Filme realisierte. Bei den Dreharbeiten von Fist of Fury (1972) und Enter the Dragon (1973) begegnete er seinem großen Vorbild Bruce Lee.

Seine erste Hauptrolle spielte er mit 17 in Chu Mus Action-Komödie Last Tiger From Canton (1971). In dem Kung-Fu-Film nimmt Chan unter Einsatz seiner Martial-Arts-Künste Rache an den Mördern seines Vaters. Weitere Filme dieser Art folgten und förderten sein Ruf als talentierter Action-Schauspieler. Drei Jahre nach dem Tod von Bruce Lee (1973) nahm ihn dessen Regisseur Lo Wei unter Vertrag mit der Absicht, mit Filmen wie The Killer Meteors (1976), New Fist of Fury (1976) und To Kill with Intrigue (1977) einen 2. Bruce Lee aus Jackie Chan zu machen. Leider erfolglos.

Den großen Durchbruch im Hongkong-Kino verschaffte ihm jedoch erst Yuen Woo Ping, der sich zuvor als Martial-Arts-Regisseur in der britischen Kronkolonie einen Namen gemacht hatte. Der 1945 geborene Yuen Woo Ping ist heute im Westen vor allem bekannt, weil er The Matrix und Crouching Tiger, Hidden Dragon choreografiert hat. Sein Regiedebüt gab Yuen Woo Ping mit der Kung-Fu-Komödie Snake in the Eagle\'s Shadow (1978). Jackie Chan in der Hauptrolle spielt einen verspotteten Laufburschen in einer Kung-Fu-Schule. Eines Tages rettet er das Leben des Meisters Pai Chian Tien, der ihm zuvor die spezielle Kung-Fu-Technik, den Schlangen-Stil, beibrachte. Noch im selben Jahr realisierte Yuen Woo Ping seinen nächsten großen Kinohit Drunken Master, der Jackie Chan wiederholt großen Erfolg bescherte. Inzwischen stand Chan auch selbst als Regisseur und Martial-Arts-Choreograph hinter der Kamera und produzierte Filme wie The Fearless Hyena (1979) und The Young Master (1980).

In den 1970ern wurde seine Fangemeinde besonders in Hongkong und Japan immer größer, der internationale Erfolg blieb ihm allerdings noch verwehrt. Jegliche Versuche, das amerikanische Publikum zu begeistern, schlugen fehl. Hongkong-Filme waren damals schlichtweg nicht gefragt. Kung-Fu-Komödien wurden auch in Hongkong mit Beginn der 80er Jahre immer unbeliebter. Die Zeit für modernere Action-Komödien war angebrochen. Auch damit konnte Jackie Chan hervorragend dienen, indem er Akrobatik, Action, Slapstick- und Kung-Fu-Elemente miteinander kombinierte.

Der Action-Streifen Projekt A (1983) ist ein weiterer Meilenstein in der Karriere von Jackie Chan. Es war nicht nur sein erster Film, der in einem urbanen Set Up des 20. Jahrhunderts spielt, sondern auch der Anfang seiner selbst gedrehten Filme, in denen er die spektakulären und atemberaubenden Stunts zeigt, die später seine unverwechselbare Handschrift wurden. Schlägereien, Schießereien, Verfolgungsjagden – Filme von und mit Jackie Chan enthielten genau diese explosive Mischung, die den Actionfilmfan ins Kino trieb. Project A baute den erfahrenen Schauspieler zu jener Ikone auf, als die er in den meisten Rollen seitdem gehandelt wird. Jackie Chan gibt für diesen Erfolg alles in seinen Filmen. Kein Stunt scheint ihm zu gefährlich, selbst sein Leben setzt er dabei aufs Spiel. Jackie Chans an Spielbergs Raiders of the Lost Ark (1981) angelehnter Actionfilm Armour of God (1986) hätte ihm fast sein Leben gekostet. Noch heute ist er aufgrund einer schweren Schädelverletzung auf einem Ohr schwerhörig.

Als Hongkong-Actionstar Jackie Chan 1985 Police Story realisierte, erreichte er den Höhepunkt seines bisherigen filmischen Schaffens. Als Police Detective Kevin ist er auf der Jagd nach dem kriminellen Drogenboss Chu. In dem Film ist einer seiner genialsten Stunts zu sehen, als er in einem Shopping-Center an dem Kabel einer Weihnachtsbeleuchtung mehrere Stockwerke nach unten saust. Auch für Police Story 2 (1988) war er als Regisseur, Koautor und Hauptdarsteller in der Rolle des Super-Cops im Einsatz. An seiner Seite avanciert Wong-Kar-Wai-Muse Maggie Cheung zum Leinwandstar. Sie spielt seine äußerst hysterische Freundin, die von den Gangstern immer wieder benutzt wird, um den Super-Cop zu erpressen und schließlich zu bekämpfen. Die Regie von Police Story 3 (1992) und Police Story 4 (1996) übernahm Regisseur Stanley Tong, der mit Rumble in the Bronx (1996) Jackie Chan zum Durchbruch in den USA verhalf.

As Anfang der 90er Jahre das Enfant terrible des Hongkong-Kinos Tsui Hark mit alten chinesischen Kostümfilmen und Kung-Fu-Epen reüssierte, besann sich auch Jackie Chan wieder auf seine Wurzeln und drehte Drunken Master II (1994). Das Multitalent ist in der Rolle von Wong Fei Hung zu sehen, dem legendären Medizinmann und Kung-Fu-Meister, dessen Episoden bereits für zahlreiche Romane und Filme der 50er und 60er Jahre adaptiert wurden.

Eines seiner großen Vorbilder war der für seine mimische Nuancenkunst bekannte Regisseur und Schauspieler Buster Keaton. Seinem Idol erweist er in seinen Filmen wiederholt Referenz. In dem 1987 realisierten 2. Teil des Streifens Project A zitiert Chan aus Keatons romantischer Komödie Steamboat Bill Jr. (1928). Wie einst Buster Keaton übt auch Jackie Chan seine Stunts alle selbst aus.

Jackie Chan sagte einmal, dass er gern mal sein Image geändert und einen Liebesfilm gedreht hätte, doch die Auflagen vom Produktionsstudio Golden Harvest lauteten, bei dem zu bleiben, was am meisten Geld einspielte und er am besten kann. Das waren die eindrucksvollen Stunts, die mit zahlreichen Kameras und ohne Montage realisiert wurden. Alles ist in Chans Filmen echt. Wenn er im Film aus dem 7. Stockwerk nach unten springt, dann ist auch in Wirklichkeit das Gebäude sieben Stockwerke hoch. Typisch für die Abspänne seiner Filme sind die Bilder von Dreharbeiten, bei denen Szenen schief gelaufen sind. Verschwenderisch ließ Jackie Chan die Kamera einfach immer weiter laufen.

Der in Kanada gedrehte Film Rumble in the Bronx (1996) war der Beginn seiner erfolgreichen Karriere in den USA. Dadurch fanden auch bereits ältere in Hongkong produzierte Filme wie Supercop/ Police Story 3 (1992), First Strike/Police Story 4 (1996), Operation Condor/ Armour of God II (1990) großen Anklang beim amerikanischen Publikum. Der von US-Regisseur Bret Ruttner gedrehte Film Rush Hour (1998) war Chans erster erfolgreicher Hollywood-Film. Daraufhin folgten von US-amerikanischen Regisseuren realisierte Filme, zu denen u.a. Shanghai Noon (2000), Rush Hour 2 (2001), The Tuxedo (2002) Shanghai Nights (2003) und der unsäglich gefloppte Around the World in 80 Days (2004) zählen.

Dass er seiner Heimat nicht untreu geworden ist, beweisen seine aktuellen Filme New Police Story (2004) und Stanley Tongs gedrehter Film The Myth. Letzterer ist im September dieses Jahres sehr erfolgreich in Hongkong angelaufen. Chan ist darin gleich in zwei Rollen zu sehen: zunächst als ein Indiana-Jones ähnlicher Archäologe und darauf folgend als ein Armeegeneral in Chinas Qing-Dynastie im 3. Jahrtausend vor unserer Zeit. Der inzwischen 50jährige Star-Schauspieler denkt nicht ans Aufhören. Ganz im Gegenteil. Nimmermüde und einfallsreich ganz im unnachahmlichen Jack-Chan-Stil dreht er zwei, drei Filme pro Jahr. Die Fangemeinde freute sich 2007 über den mittlerweile 3. Teil der Rush-Hour-Filme.

(Katrin Knauth)

Jackie Chan - Filmographie (Auswahl)

2010
Chinese Zodiac (Regie: Jackie Chan)
RA. One (Random Access One, Regie: Anubhav Sinha)
The Karate Kid (Regie: Harald Zwart)
Da bing xiao jiang (Little Big Soldier, Regie: Sheng Ding)
The Spy Next Door (Regie: Brian Levant)

2009
Jian guo da ye (The Founding of a Republic, Regie: Sanping Han, Jianxin Huang)
San suk si gin (Shinjuku Incident, Regie: Tung-Shing Yee)

2008
Kung Fu Panda (Regie: Mark Osborne, John Stevenson)
The Forbidden Kingdom (Regie: Rob Minkoff)

2007
Rush Hour 3 (Regie: Brett Ratner)

2006
Bo bui gai wak (Rob-B-Hood, Regie: Benny Chan)

2005
San wa (The Myth, Regie: Stanley Tong)

2004
Xin jing cha gu shi (New Police Story, Regie: Benny Chan)
Chin gei bin 2: Fa dou daai jin (The Huadu Chronicles: Blade of the Rose, Regie: Patrick Leung, Corey Yuen)
Around the World in 80 Days (In 80 Tagen um die Welt, Regie: Frank Coraci)
Da lao ai mei li (Enter the Phoenix, Regie: Stephen Fung)

2003
The Medallion (Regie: Gordon Chan)
Chin gei bin (The Twins Effect, Regie: Dante Lam)
Shanghai Knights (Regie: David Dobkin)

2002
The Tuxedo (Regie: Kevin Donovan)

2001
Rush Hour 2 (Regie: Brett Ratner)
Dak miu mai shing (The Accidental Spy, Regie: Teddy Chan)

2000
Shanghai Noon (Regie: Tom Dey)

1998
Rush Hour (Regie: Brett Ratner)

Foto (C) 3L Filmverleih
   
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