Gone - ein englischer Titel für einen in Deutschland gedrehten Film? Die Vieldeutigkeit dieses Partizips reizte den Filmemacher Zoltan Paul: Futsch, vergangen, hoffnungslos, tot. Gone kommt am 25. März ins Kino, nach internationalen Festivalerfolgen und der Teilnahme als einziger deutscher Film im Wettbewerb des Mar del Plata in Buenos Aires.
In Gone begegnet David, ein weltentrückter Autor, der suizidgefährdeten Verlegerin Alma. Der Autor macht Alma zur Hauptfigur seines neuen Romans, dessen Geschichte im Doppelselbstmord des Liebespaares mündet. Der Romanfiktion folgend entwickelt sich zwischen Autor und Verlegerin eine fatale Leidenschaft mit tödlicher Konsequenz - ein Spiel um Liebe und Tod.
Rüdiger Suchland sprach mit dem Regisseur.
RÜDIGER SUCHSLAND: Wie würden Sie Ihren Film charakterisieren?
ZOLTAN PAUL: GONE ist ein Psychodrama und wohl ein ziemlich verstörender und exzessiver Film. Wie auch ich im Grunde ein ziemlich exzessiver Mensch bin manchmal leider bis zur Selbstzerstörung. Ich habe versucht, den Film in einem magischen Realismus schweben zu lassen, ich wollte einen Sog entwickeln, dem sich die Hauptfigur ausgesetzt sieht und der sich auf den Zuschauer überträgt.
RÜDIGER SUCHSLAND: Wie kam es zu Gone, wie entstand die Idee, und wie wurde daraus ein Film?
ZOLTAN PAUL: Ich komme als Schauspieler und Regisseur vom Theater, Film aber war für mich immer das Hauptziel. Filmemachen ist aber wie wir wissen ein teurer Spaß. Nachdem ich fünf Jahre lang vergeblich versucht habe, ein anderes Filmprojekt zu finanzieren, war ich derart frustriert, dass ich mir gesagt habe, jetzt machst du einen kleinen Film, auf Teufel komm raus. Hauptsache du drehst endlich und wenn nur auf Polaroid. Und prompt bekam ich die Möglichkeit, einen Kurzfilm auf der sensationellen 24 P HD Kamera zu drehen. Es musste nur schnell gehen. Also musste eine Geschichte her, und auf Grundlage des Gedichts "Lehn deine Wang an meine Wang" von Heinrich Heine kam uns, mir und meiner Frau Adele Neuhauser, die ja auch die Hauptrolle spielt, die Idee zu dem Stoff. Der Kurzfilm hieß auch Gone und hat für etwas Aufsehen gesorgt. 13th Street/Universal Deutschland wollte ihn prompt kaufen, und ich konnte den Sender überzeugen, die Geschichte episodenweise fortzusetzen. Mein Kalkül war, dass ich so einen Langfilm zusammenbekomme. Den ich ja jetzt auch habe. Die Episodenversion in vier Teilen wird von 13th Street bald auf Premiere gesendet, und der Langfilm wurde bereits in 40 Länder verkauft und kommt jetzt eben in meinem Verleih in die Kinos.
RÜDIGER SUCHSLAND: Warum muss man diesen Film jetzt machen? Woher nimmt Gone seine Relevanz?
ZOLTAN PAUL: Da ich diesen Film machen musste, musste er wohl gemacht werden, denke ich. Von Picasso stammt der Spruch: "Man fragt doch auch nicht einen Vogel, warum er singt". Außerdem ist der Film für mich wahnsinnig relevant, weil ich fast krepiert wäre an ihm. Ich habe ihn ja auch produziert. Drei Jahre Adrenalin pur, ein finanzieller Rasierklingenritt immer knapp am Abgrund. Und die Zuschauer, die den Film bis jetzt auf Festivals gesehen haben und mit denen ich diskutierten konnte, für die schien der Film ziemlich relevant zu sein die meisten waren gefühlsmäßig erschlagen und schwer beeindruckt. Es gab aber auch einige wenige, die den Film richtig ablehnten. Aber gleichgültig lässt er offenbar niemanden, und das ist die Hauptsache.
RÜDIGER SUCHSLAND: Die Kamera ist sehr bewegt. Sind sie durch aktuelle Handkamera-Vorbilder, etwa durch die Dogma-Bewegung oder durch Chéreaus Intimacy beeinflusst...
ZOLTAN PAUL: Ich mag die Dogmafilme sehr, aber ich wollte bei Gott nicht auf den Zug aufspringen. Für mich ist die Dogmanummer auch schon abgegessen. Und der eigentliche Ultradogmafilmer war sowieso John Cassavetes. Und das vor 40 Jahren. Gone mit seiner artifiziellen Aura hat mit dem Dogma-naturalismus nichts am Hut, eher vielleicht mit Wong Karwai und dessen In The Mood For Love.
RÜDIGER SUCHSLAND: Ihre Inszenierung erinnert zum Teil formal an das Autorenkino der 70er?
ZOLTAN PAUL: Wenn Sie mich mit Rainer Werner Fassbinder vergleichen wollen, würde ich mich sehr geehrt fühlen.
RÜDIGER SUCHSLAND: Können Sie etwas zum Off-Erzähler sagen... Ich war mir nicht ganz sicher, wie dies gemeint ist. Ist dies der Romantext?
ZOLTAN PAUL: Selbstverständlich. Aber das ist an einigen Stellen nicht ganz deutlich erkennbar, das gebe ich zu. Ich habe die Voice overs hinter dem Cutter sitzend während dem Schneiden geschrieben, es war ein sehr organischer Prozess mit langen Nächten mit viel Whisky und Stangenweise Zigaretten. Und der panischen Angst, ob das, was ich mir von dem Film vorgestellt habe, tatsächlich auch funktioniert. Die Angst um den Film, die Angst der Figuren, sich im Film zurechtzufinden, meine Angst vorm Tod und vorm LebenŠ
RÜDIGER SUCHSLAND: Ihre Hauptfiguren erscheinen alle seltsam todessehnsüchtig. Warum solche Lebensfeindlichkeit?
ZOLTAN PAUL: Ich liebe das Leben, aber der Tod als letzter Ausweg übt eine große Faszination auf mich aus. Und man kann seine Wurzeln nicht verleugnen. Ich bin gebürtiger Ungar und hatte eine ziemlich chaotische Kindheit mit emotionalen Achterbahnfahrten. Und Ungarn hat nach wie vor die höchste Selbstmordrate der Welt. Zusammen mit den Finnen. Die Melancholie, die Depression, der Alkoholismus und die unbändige Lust, das Leben bis zur Besinnungslosigkeit zu feiern, das sind so die Widersprüche der ungarischen Seele. Und dann bin ich auch noch in der Morbidität der 70er Jahre in Wien aufgewachsen. Mit dem Zentral Friedhof, Siegmund Freud, Thomas Bernhard, Camus und Konsorten als philosophische Stimulanzen. Es ist also kein Wunder, glaube ich, dass ich den Tod, den Selbstmord, in meinem ersten Film thematisieren musste. Aber am Schluss entscheidet sich die Protagonistin doch für das Leben, also muss man den Film schon als lebensbejahend verstehen.
RÜDIGER SUCHSLAND: Was sagt uns dies über unsere Gegenwart?
ZOLTAN PAUL: Ich sehe den Film zeitlos und er bemüht sich nicht die Bohne, etwas über unsere Gegenwart zu sagen. Wenn sie was sagt, dann etwas über die immer währende also zeitlose - Absurdität der menschlichen Existenz. Ich mag außerdem politische Filme nicht. Oder Filme, die mir irgendeine Message unterjubeln wollen. Film ist für mich die ultimativste Kunstform. Er vereint Musik, Literatur, bildende und darstellende Kunst zu einer Einheit.
RÜDIGER SUCHSLAND: Fehlt dem heutigen Kino die Wildheit, die tiefen Leidenschaften? Oder ist es zu wenig existentiell in seinen Themen?
ZOLTAN PAUL: Was dem heutigen Kino fehlt ist mehr Mut. Es werden so viele Filme gemacht, die nichts riskieren, bei denen sich die Macher am Fördertopf hängend unter sich unbehelligt fühlen können. Die Dramaturgien folgen meistens dem Schema F Prinzip, amerikanisches Dreiaktesystem, ein paar Ingredienzen aus allen emotionalen Gemüsegärten und fertig ist die Filmsuppe. Und die ganze Welt buckelt vor Hollywood. Bis auf einige verwegene Wahnsinnige wie Lars von Trier, vor dem ich den größten Respekt habe. Oder Aki Kaurismäki und Wong Karwai.
RÜDIGER SUCHSLAND: Wo sehen Sie sich in zehn Jahren, wo möchten Sie hin als Filmemacher?
ZOLTAN PAUL: Ich möchte erreichen, dass ich ohne finanziellen Harakiri Filme machen kann. Meine Firma ATOLL FILM, die den Film produziert hat, ihn nun verleiht und zudem seit vorigem Jahr zwei Kinos betreibt, dieses kleine Refugium möchte ich soweit stabilisieren, dass ich meine künftigen Filme mit der größtmöglichen Unabhängigkeit produzieren kann. Freiheit ist für mich das Wichtigste. Die Stoffe für die Filme kommen dann schon von alleine. Da kenn ich mich gut genug. Und ich möchte anderen Filmemachern helfen. Es ist soviel Potential da, aber durch die Produktionsbedingungen wird man schnell dazu gezwungen, sich nuttig zu verhalten. Mutige Regisseure, die etwas wagen, für die möchte ich da sein, mit meinem Verleih und mit meinen Kinos. Ich finde es außerdem phänomenal und ziemlich einmalig, Regisseur zu sein und gleichzeitig die gesamte Verwertungskette in der Hand zu haben.
RÜDIGER SUCHSLAND: Haben Sie unter den Filmemachern Vorbilder? Welche? Warum?
ZOLTAN PAUL: Neben den oben genannten sind Ingmar Bergmann, die Coen Brüder und Cassavettes richtungsweisend. Aber im Grunde folgt man beim Filmemachen einer inneren intuitiven Kraft. Und dann staunt man über das Resultat, und freut sich wie ein kleines Kind, wenn die Zuschauer auch staunen.
RÜDIGER SUCHSLAND: Was planen Sie als nächstes?
ZOLTAN PAUL: Wir sind gerade dabei, das Buch für eine Ehe-Tragikomödie zu entwickeln. Wieder mit meiner Frau in der Hauptrolle, und wir wollen den Film in Griechenland drehen, dem Geburtsland meiner Frau.
Mit freundlicher Genehmigung von Rüdiger Suchsland.
In Gone begegnet David, ein weltentrückter Autor, der suizidgefährdeten Verlegerin Alma. Der Autor macht Alma zur Hauptfigur seines neuen Romans, dessen Geschichte im Doppelselbstmord des Liebespaares mündet. Der Romanfiktion folgend entwickelt sich zwischen Autor und Verlegerin eine fatale Leidenschaft mit tödlicher Konsequenz - ein Spiel um Liebe und Tod.
Rüdiger Suchland sprach mit dem Regisseur.
RÜDIGER SUCHSLAND: Wie würden Sie Ihren Film charakterisieren?
ZOLTAN PAUL: GONE ist ein Psychodrama und wohl ein ziemlich verstörender und exzessiver Film. Wie auch ich im Grunde ein ziemlich exzessiver Mensch bin manchmal leider bis zur Selbstzerstörung. Ich habe versucht, den Film in einem magischen Realismus schweben zu lassen, ich wollte einen Sog entwickeln, dem sich die Hauptfigur ausgesetzt sieht und der sich auf den Zuschauer überträgt.
RÜDIGER SUCHSLAND: Wie kam es zu Gone, wie entstand die Idee, und wie wurde daraus ein Film?
ZOLTAN PAUL: Ich komme als Schauspieler und Regisseur vom Theater, Film aber war für mich immer das Hauptziel. Filmemachen ist aber wie wir wissen ein teurer Spaß. Nachdem ich fünf Jahre lang vergeblich versucht habe, ein anderes Filmprojekt zu finanzieren, war ich derart frustriert, dass ich mir gesagt habe, jetzt machst du einen kleinen Film, auf Teufel komm raus. Hauptsache du drehst endlich und wenn nur auf Polaroid. Und prompt bekam ich die Möglichkeit, einen Kurzfilm auf der sensationellen 24 P HD Kamera zu drehen. Es musste nur schnell gehen. Also musste eine Geschichte her, und auf Grundlage des Gedichts "Lehn deine Wang an meine Wang" von Heinrich Heine kam uns, mir und meiner Frau Adele Neuhauser, die ja auch die Hauptrolle spielt, die Idee zu dem Stoff. Der Kurzfilm hieß auch Gone und hat für etwas Aufsehen gesorgt. 13th Street/Universal Deutschland wollte ihn prompt kaufen, und ich konnte den Sender überzeugen, die Geschichte episodenweise fortzusetzen. Mein Kalkül war, dass ich so einen Langfilm zusammenbekomme. Den ich ja jetzt auch habe. Die Episodenversion in vier Teilen wird von 13th Street bald auf Premiere gesendet, und der Langfilm wurde bereits in 40 Länder verkauft und kommt jetzt eben in meinem Verleih in die Kinos.
RÜDIGER SUCHSLAND: Warum muss man diesen Film jetzt machen? Woher nimmt Gone seine Relevanz?
ZOLTAN PAUL: Da ich diesen Film machen musste, musste er wohl gemacht werden, denke ich. Von Picasso stammt der Spruch: "Man fragt doch auch nicht einen Vogel, warum er singt". Außerdem ist der Film für mich wahnsinnig relevant, weil ich fast krepiert wäre an ihm. Ich habe ihn ja auch produziert. Drei Jahre Adrenalin pur, ein finanzieller Rasierklingenritt immer knapp am Abgrund. Und die Zuschauer, die den Film bis jetzt auf Festivals gesehen haben und mit denen ich diskutierten konnte, für die schien der Film ziemlich relevant zu sein die meisten waren gefühlsmäßig erschlagen und schwer beeindruckt. Es gab aber auch einige wenige, die den Film richtig ablehnten. Aber gleichgültig lässt er offenbar niemanden, und das ist die Hauptsache.
RÜDIGER SUCHSLAND: Die Kamera ist sehr bewegt. Sind sie durch aktuelle Handkamera-Vorbilder, etwa durch die Dogma-Bewegung oder durch Chéreaus Intimacy beeinflusst...
ZOLTAN PAUL: Ich mag die Dogmafilme sehr, aber ich wollte bei Gott nicht auf den Zug aufspringen. Für mich ist die Dogmanummer auch schon abgegessen. Und der eigentliche Ultradogmafilmer war sowieso John Cassavetes. Und das vor 40 Jahren. Gone mit seiner artifiziellen Aura hat mit dem Dogma-naturalismus nichts am Hut, eher vielleicht mit Wong Karwai und dessen In The Mood For Love.
RÜDIGER SUCHSLAND: Ihre Inszenierung erinnert zum Teil formal an das Autorenkino der 70er?
ZOLTAN PAUL: Wenn Sie mich mit Rainer Werner Fassbinder vergleichen wollen, würde ich mich sehr geehrt fühlen.
RÜDIGER SUCHSLAND: Können Sie etwas zum Off-Erzähler sagen... Ich war mir nicht ganz sicher, wie dies gemeint ist. Ist dies der Romantext?
ZOLTAN PAUL: Selbstverständlich. Aber das ist an einigen Stellen nicht ganz deutlich erkennbar, das gebe ich zu. Ich habe die Voice overs hinter dem Cutter sitzend während dem Schneiden geschrieben, es war ein sehr organischer Prozess mit langen Nächten mit viel Whisky und Stangenweise Zigaretten. Und der panischen Angst, ob das, was ich mir von dem Film vorgestellt habe, tatsächlich auch funktioniert. Die Angst um den Film, die Angst der Figuren, sich im Film zurechtzufinden, meine Angst vorm Tod und vorm LebenŠ
RÜDIGER SUCHSLAND: Ihre Hauptfiguren erscheinen alle seltsam todessehnsüchtig. Warum solche Lebensfeindlichkeit?
ZOLTAN PAUL: Ich liebe das Leben, aber der Tod als letzter Ausweg übt eine große Faszination auf mich aus. Und man kann seine Wurzeln nicht verleugnen. Ich bin gebürtiger Ungar und hatte eine ziemlich chaotische Kindheit mit emotionalen Achterbahnfahrten. Und Ungarn hat nach wie vor die höchste Selbstmordrate der Welt. Zusammen mit den Finnen. Die Melancholie, die Depression, der Alkoholismus und die unbändige Lust, das Leben bis zur Besinnungslosigkeit zu feiern, das sind so die Widersprüche der ungarischen Seele. Und dann bin ich auch noch in der Morbidität der 70er Jahre in Wien aufgewachsen. Mit dem Zentral Friedhof, Siegmund Freud, Thomas Bernhard, Camus und Konsorten als philosophische Stimulanzen. Es ist also kein Wunder, glaube ich, dass ich den Tod, den Selbstmord, in meinem ersten Film thematisieren musste. Aber am Schluss entscheidet sich die Protagonistin doch für das Leben, also muss man den Film schon als lebensbejahend verstehen.
RÜDIGER SUCHSLAND: Was sagt uns dies über unsere Gegenwart?
ZOLTAN PAUL: Ich sehe den Film zeitlos und er bemüht sich nicht die Bohne, etwas über unsere Gegenwart zu sagen. Wenn sie was sagt, dann etwas über die immer währende also zeitlose - Absurdität der menschlichen Existenz. Ich mag außerdem politische Filme nicht. Oder Filme, die mir irgendeine Message unterjubeln wollen. Film ist für mich die ultimativste Kunstform. Er vereint Musik, Literatur, bildende und darstellende Kunst zu einer Einheit.
RÜDIGER SUCHSLAND: Fehlt dem heutigen Kino die Wildheit, die tiefen Leidenschaften? Oder ist es zu wenig existentiell in seinen Themen?
ZOLTAN PAUL: Was dem heutigen Kino fehlt ist mehr Mut. Es werden so viele Filme gemacht, die nichts riskieren, bei denen sich die Macher am Fördertopf hängend unter sich unbehelligt fühlen können. Die Dramaturgien folgen meistens dem Schema F Prinzip, amerikanisches Dreiaktesystem, ein paar Ingredienzen aus allen emotionalen Gemüsegärten und fertig ist die Filmsuppe. Und die ganze Welt buckelt vor Hollywood. Bis auf einige verwegene Wahnsinnige wie Lars von Trier, vor dem ich den größten Respekt habe. Oder Aki Kaurismäki und Wong Karwai.
RÜDIGER SUCHSLAND: Wo sehen Sie sich in zehn Jahren, wo möchten Sie hin als Filmemacher?
ZOLTAN PAUL: Ich möchte erreichen, dass ich ohne finanziellen Harakiri Filme machen kann. Meine Firma ATOLL FILM, die den Film produziert hat, ihn nun verleiht und zudem seit vorigem Jahr zwei Kinos betreibt, dieses kleine Refugium möchte ich soweit stabilisieren, dass ich meine künftigen Filme mit der größtmöglichen Unabhängigkeit produzieren kann. Freiheit ist für mich das Wichtigste. Die Stoffe für die Filme kommen dann schon von alleine. Da kenn ich mich gut genug. Und ich möchte anderen Filmemachern helfen. Es ist soviel Potential da, aber durch die Produktionsbedingungen wird man schnell dazu gezwungen, sich nuttig zu verhalten. Mutige Regisseure, die etwas wagen, für die möchte ich da sein, mit meinem Verleih und mit meinen Kinos. Ich finde es außerdem phänomenal und ziemlich einmalig, Regisseur zu sein und gleichzeitig die gesamte Verwertungskette in der Hand zu haben.
RÜDIGER SUCHSLAND: Haben Sie unter den Filmemachern Vorbilder? Welche? Warum?
ZOLTAN PAUL: Neben den oben genannten sind Ingmar Bergmann, die Coen Brüder und Cassavettes richtungsweisend. Aber im Grunde folgt man beim Filmemachen einer inneren intuitiven Kraft. Und dann staunt man über das Resultat, und freut sich wie ein kleines Kind, wenn die Zuschauer auch staunen.
RÜDIGER SUCHSLAND: Was planen Sie als nächstes?
ZOLTAN PAUL: Wir sind gerade dabei, das Buch für eine Ehe-Tragikomödie zu entwickeln. Wieder mit meiner Frau in der Hauptrolle, und wir wollen den Film in Griechenland drehen, dem Geburtsland meiner Frau.
Mit freundlicher Genehmigung von Rüdiger Suchsland.




