The Notorious Bettie Page von Mary Harron
Es ist inzwischen zehn Jahre her, seit Mary Harron mit I Shot Andy Warhol das Leben der Radikal-Feministen und Andy-Warhol-Attentäterin Valerie Solanas auf die Leinwand brachte. Auch in ihrem neuem Film The Notorious Bettie Page nimmt sich die 50-jährige kanadische Regisseurin Mary Harron zum wiederholten Mal eine außergewöhnliche Frauenbiographie vor und porträtiert den Lebensweg des berühmt berüchtigten Pin-up-Girls Bettie Page. Aufgewachsen im stark religiös geprägten Nashville, Tennessee, versucht Bettie zunächst die Rolle der braven Haus- und Ehefrau zu erfüllen. Daran gescheitert, macht sie sich per Bus auf dem Weg nach New York, wo sie in den konservativen fünfziger Jahren vom einfachen Fotomodel zur skandalösen Sex-Ikone aufsteigt. Eine auf glücklichen Zufällen, spontanen Entscheidungen und gewissen Umständen basierende Karriereleiter. Das Interessante an Bettie, und darauf legt Regisseurin Harron ein ganz besonderes Augenmerk, ist ihre für damalige Zeiten äußerst frevelhafte Ambivalenz, die Vereinbarung ihres tiefen religiösen Glaubens mit ihrer offen gelebten Sexualität. „Adam und Eva waren im Garten Eden auch nackt“, sagt sie an einer Stelle im Film. Geknebelt und gefesselt wird über Jesus diskutiert. Die große Sensation des Films ist Gretchen Mol, mit der die Rolle der Bettie Page sensationell glaubwürdig und lebensnah besetzt ist. Aber auch der gesamte Look von The Notorious Bettie Page kommt einem 50er Jahre-Film sehr nahe. Der fast vollständig in schwarzweiß, mit nur einigen wenigen Szenen in Technicolour-Farben gedrehte Film, soll bewusst auf die Low-Budget Streifen Sam Fullers und die farbdurchtränkten Melodramen Douglas Sirks verweisen. Bettie Page, die nach ihrem rasanten Aufstieg genauso schnell wieder von der Bühne verschwand, bekommt in The Notorious Bettie Page noch einmal eine fulminante Präsenz. Wenn auch nur auf der Leinwand, ein halbes Jahrhundert später – und dennoch, der Mythos bleibt wohl auf ewig erhalten.
Breakfast On Pluto von Neil Jordan
Nicht minder verwegen und turbulent geht es in Neil Jordans Panorama-Beitrag Breakfast On Pluto zu. Wieder steht ein Außenseiter im Rampenlicht. Der auf dem gleichnamigen Roman von Patrick McCabe basierende Film erzählt in 36 Kapiteln die Geschichte des androgynen Transvestiten Patrick "Kitten" Brady. Als Bettie Pages Glanzzeit in New York fast schon wieder vorbei war, wurde Patrick als neugeborenes Baby in Tyreelin, Irland auf der Türschwelle des Gemeindepfarrers ausgesetzt. In die Fürsorge von Ma Braden gegeben, trägt er schon im Alter von zehn Jahren statt Hemd und Hosen viel lieber die Kleidchen und Schuhe seiner Stiefschwester. Und über die Jahre hinweg entwickelt er sich zum lieblichsten und androgynsten jungen Mann am Platz. Bemerkenswert unschuldig bleibt Patrick dabei immer bei sich selbst und lebt seinen Transvestitismus mutig in der Öffentlichkeit aus – trotz aller Widerstände und Unverständnis, das ihm dafür entgegen gebracht wird. In recht epischen Längen nimmt der Zuschauer an der Odyssee des lieblichen Darlings teil, die irgendwann ins Swinging London führt, wo er hofft, seine verschwundene Mutter zu finden. Die bis dahin noch recht märchenhaft wirkende Geschichte wird durch einen verheerenden Bombenanschlag in einem Londoner Nachtclub aufgewühlt. Patrick, der als Frau verkleidet, in dieser Nacht dort getanzt hat, kommt verletzt ins Krankenhaus. Als dort seine wahre männliche Identität zum Vorschein tritt, kommt Skepsis auf und Patrick wird verhört. Der lässt sich davon jedoch nicht beirren. Ganz im Gegenteil. Er strotzt nur so vor Optimismus. Alles wird gut. Auch wenn der Film in einigen Partien zu opulent und übertrieben inszeniert ist, überzeugt die große darstellerische Leistung von Cillian Murphy (28 Days Later, Batman Begins).
(Katrin Knauth)
Die Filme sind noch in folgenden Vorstellungen zu sehen
The Notorious Bettie Page
Sa 18.02., 17:00 Uhr, International
Breakfast on Pluto
So 19.02., 17:00 Uhr, International
Es ist inzwischen zehn Jahre her, seit Mary Harron mit I Shot Andy Warhol das Leben der Radikal-Feministen und Andy-Warhol-Attentäterin Valerie Solanas auf die Leinwand brachte. Auch in ihrem neuem Film The Notorious Bettie Page nimmt sich die 50-jährige kanadische Regisseurin Mary Harron zum wiederholten Mal eine außergewöhnliche Frauenbiographie vor und porträtiert den Lebensweg des berühmt berüchtigten Pin-up-Girls Bettie Page. Aufgewachsen im stark religiös geprägten Nashville, Tennessee, versucht Bettie zunächst die Rolle der braven Haus- und Ehefrau zu erfüllen. Daran gescheitert, macht sie sich per Bus auf dem Weg nach New York, wo sie in den konservativen fünfziger Jahren vom einfachen Fotomodel zur skandalösen Sex-Ikone aufsteigt. Eine auf glücklichen Zufällen, spontanen Entscheidungen und gewissen Umständen basierende Karriereleiter. Das Interessante an Bettie, und darauf legt Regisseurin Harron ein ganz besonderes Augenmerk, ist ihre für damalige Zeiten äußerst frevelhafte Ambivalenz, die Vereinbarung ihres tiefen religiösen Glaubens mit ihrer offen gelebten Sexualität. „Adam und Eva waren im Garten Eden auch nackt“, sagt sie an einer Stelle im Film. Geknebelt und gefesselt wird über Jesus diskutiert. Die große Sensation des Films ist Gretchen Mol, mit der die Rolle der Bettie Page sensationell glaubwürdig und lebensnah besetzt ist. Aber auch der gesamte Look von The Notorious Bettie Page kommt einem 50er Jahre-Film sehr nahe. Der fast vollständig in schwarzweiß, mit nur einigen wenigen Szenen in Technicolour-Farben gedrehte Film, soll bewusst auf die Low-Budget Streifen Sam Fullers und die farbdurchtränkten Melodramen Douglas Sirks verweisen. Bettie Page, die nach ihrem rasanten Aufstieg genauso schnell wieder von der Bühne verschwand, bekommt in The Notorious Bettie Page noch einmal eine fulminante Präsenz. Wenn auch nur auf der Leinwand, ein halbes Jahrhundert später – und dennoch, der Mythos bleibt wohl auf ewig erhalten.
Breakfast On Pluto von Neil Jordan
Nicht minder verwegen und turbulent geht es in Neil Jordans Panorama-Beitrag Breakfast On Pluto zu. Wieder steht ein Außenseiter im Rampenlicht. Der auf dem gleichnamigen Roman von Patrick McCabe basierende Film erzählt in 36 Kapiteln die Geschichte des androgynen Transvestiten Patrick "Kitten" Brady. Als Bettie Pages Glanzzeit in New York fast schon wieder vorbei war, wurde Patrick als neugeborenes Baby in Tyreelin, Irland auf der Türschwelle des Gemeindepfarrers ausgesetzt. In die Fürsorge von Ma Braden gegeben, trägt er schon im Alter von zehn Jahren statt Hemd und Hosen viel lieber die Kleidchen und Schuhe seiner Stiefschwester. Und über die Jahre hinweg entwickelt er sich zum lieblichsten und androgynsten jungen Mann am Platz. Bemerkenswert unschuldig bleibt Patrick dabei immer bei sich selbst und lebt seinen Transvestitismus mutig in der Öffentlichkeit aus – trotz aller Widerstände und Unverständnis, das ihm dafür entgegen gebracht wird. In recht epischen Längen nimmt der Zuschauer an der Odyssee des lieblichen Darlings teil, die irgendwann ins Swinging London führt, wo er hofft, seine verschwundene Mutter zu finden. Die bis dahin noch recht märchenhaft wirkende Geschichte wird durch einen verheerenden Bombenanschlag in einem Londoner Nachtclub aufgewühlt. Patrick, der als Frau verkleidet, in dieser Nacht dort getanzt hat, kommt verletzt ins Krankenhaus. Als dort seine wahre männliche Identität zum Vorschein tritt, kommt Skepsis auf und Patrick wird verhört. Der lässt sich davon jedoch nicht beirren. Ganz im Gegenteil. Er strotzt nur so vor Optimismus. Alles wird gut. Auch wenn der Film in einigen Partien zu opulent und übertrieben inszeniert ist, überzeugt die große darstellerische Leistung von Cillian Murphy (28 Days Later, Batman Begins).
(Katrin Knauth)
Die Filme sind noch in folgenden Vorstellungen zu sehen
The Notorious Bettie Page
Sa 18.02., 17:00 Uhr, International
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So 19.02., 17:00 Uhr, International
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