Berlinale 2006 – Der fünfte Tag des Wettbewerbs: Der Freie Wille, El Custodio
Originaltitel:
Der Schatten und V for Vendetta
Kinostart:
14.02.2006
Der Freie Wille von Matthias Glasner
Auch FilmkritikerInnen haben Gefühle. Das scheint den Festivalmachern leider gänzlich entgangen zu sein. Der Freie Wille, zweiter deutscher Beitrag im Rennen um den Goldenen Bären, lief als erster Film am fünften Wettbewerbstag morgens um 9 Uhr. Von wegen sachter Einstieg oder Hinleitung zum Thema – Jürgen Vogel in der Rolle des Vergewaltigers Theo schlägt schon nach wenigen Minuten zu. Mit wirrem, triebhaften Blick agiert er so besessen und überzeugend, dass man bei der Pressekonferenz freiwillig in den hinteren Reihen Platz nehmen wollte. Zu stark und intensiv waren die Eindrücke aus dem Leben des Triebtäters, der nach 9 Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird, um ein normales Leben zu beginnen. Theo sehnt sich nach Liebe und weiß nicht, ob er mit körperlicher Nähe umgehen kann. Mit Netti (Sabine Timoteo) lernt er eine 27-jährige Frau kennen, die von ihrem Vater psychisch missbraucht wurde und sich nicht von ihm lösen kann. Die beiden verlieben sich ineinander und machen sich auf die gemeinsame Reise an die Grenzen des freien Willens. Theo, der im Umgang mit Frauen gehemmt und unsicher ist, verschweigt Netti seine Vergangenheit. Doch diese lässt ihn nicht los und die Katastrophe nimmt ihren Lauf. Der Film von Regisseur Matthias Glasner erzählt die Geschichte eines Mannes, der hinaus geworfen wird in die Freiheit, sich von seinen inneren Befangenheiten aber nicht lösen kann. Glasner zeigt den Terror der Einsamkeit und Angst vor sich selbst, spielt mit dem Publikum. Über Der Freie Wille wird viel diskutiert werden. Er rollt einen riesigen Fragenkatalog auf, schockiert und lässt den Zuschauer ratlos zurück. Auch wenn er gut gemacht und wirklich ergreifend ist, bleiben zu viele Fragen unbeantwortet. Harte Kost in jederlei Hinsicht.
El custodio / Der Schatten von Rodrigo Moreno
Nun konnte der zweite Film ja nicht schlimmer werden. Was aber mit El custodio / Der Schatten in den Wettbewerb programmiert wurde, ist völlig unverständlich. Zahlreiche wertvolle Beiträge aus dem Panorama oder andere Sektionen sind dem Film von Rodrigo Moreno um Längen voraus und überlegen. Das argentinische Drama dreht sich um das Leben des Leibwächters Ruben, dem die Kamera einen ganzen Film lang bei seinem bedeutungslosen und stupiden Leben zugeguckt. Er ist Personenschützer eines bekannten Politikers, sein Schatten. Dabei hat er sich seinem Beruf dermaßen verschrieben, dass er sich und seine Werte zu verlieren droht. Das hat ungeahnte Folgen, besonders für die Menschen, die er eigentlich schützen soll. Die Pressevorführung mit der bisher höchsten Fluktuation von Zuschauern. Wer nicht mehr gehen konnte, dem waren die Augen zugefallen.
V for Vendetta von James McTeigue
Den dritten Versuch startete V for Vendetta von James McTeigue. Ein Beitrag, bei dem man das Gefühl nicht los wird, dass er lediglich als Star-Magnet ins Programm genommen wurde. Außer Konkurrenz, versteht sich. Natalie Portman und Hugo Weaving sind die Hauptdarsteller des Kult-Comic, der in einem faschistisch regierten Großbritannien der Zukunft angesiedelt ist. In der totalitären Welt gehen Freiheit und persönliche Identität verloren. Die junge Evey wird von einem Unbekannten gerettet, der mit virtuoser Kampfkunst und kluger Taktik eine Revolution anzetteln möchte. In einem von Grausamkeit und Korruption durchsetzten Land kämpfen nur wenige um Freiheit und Gerechtigkeit. Die Drehbuchschreiber, die Brüder Wachowsky, verfassten als letztes die Matrix-Trilogie. An diesen Erfolg wird V for Vendetta nicht heranreichen. Ein Film, über den sich nicht mehr sagen lässt als: Kategorie Popcorn und Cola.
Es wird Zeit, sich den anderen Sektionen der Berlinale umzusehen. Der Wettbewerb jedenfalls schwächelt.
(Gesine Grassel)
Die Filme sind noch in folgenden Vorstellungen zu sehen:
Der Freie Wille
Di 14.02., 12:00 Uhr, Urania
Di 14.02., 15:00 Uhr, Urania
Di 14.02., 20:00 Uhr, International
So 19.02., 12:30 Uhr, Berlinale Palast
El Custodio / Der Schatten
Di 14.02., 21:00 Uhr, Urania
Di 14.02., 23:00 Uhr, International
So 19.02., 12:00 Uhr, Urania
V for Vendetta
Di 14.02., 09:30 Uhr, Urania
Di 14.02., 18:30 Uhr, Urania
Di 14.02., 23:30 Uhr, Urania
Auch FilmkritikerInnen haben Gefühle. Das scheint den Festivalmachern leider gänzlich entgangen zu sein. Der Freie Wille, zweiter deutscher Beitrag im Rennen um den Goldenen Bären, lief als erster Film am fünften Wettbewerbstag morgens um 9 Uhr. Von wegen sachter Einstieg oder Hinleitung zum Thema – Jürgen Vogel in der Rolle des Vergewaltigers Theo schlägt schon nach wenigen Minuten zu. Mit wirrem, triebhaften Blick agiert er so besessen und überzeugend, dass man bei der Pressekonferenz freiwillig in den hinteren Reihen Platz nehmen wollte. Zu stark und intensiv waren die Eindrücke aus dem Leben des Triebtäters, der nach 9 Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird, um ein normales Leben zu beginnen. Theo sehnt sich nach Liebe und weiß nicht, ob er mit körperlicher Nähe umgehen kann. Mit Netti (Sabine Timoteo) lernt er eine 27-jährige Frau kennen, die von ihrem Vater psychisch missbraucht wurde und sich nicht von ihm lösen kann. Die beiden verlieben sich ineinander und machen sich auf die gemeinsame Reise an die Grenzen des freien Willens. Theo, der im Umgang mit Frauen gehemmt und unsicher ist, verschweigt Netti seine Vergangenheit. Doch diese lässt ihn nicht los und die Katastrophe nimmt ihren Lauf. Der Film von Regisseur Matthias Glasner erzählt die Geschichte eines Mannes, der hinaus geworfen wird in die Freiheit, sich von seinen inneren Befangenheiten aber nicht lösen kann. Glasner zeigt den Terror der Einsamkeit und Angst vor sich selbst, spielt mit dem Publikum. Über Der Freie Wille wird viel diskutiert werden. Er rollt einen riesigen Fragenkatalog auf, schockiert und lässt den Zuschauer ratlos zurück. Auch wenn er gut gemacht und wirklich ergreifend ist, bleiben zu viele Fragen unbeantwortet. Harte Kost in jederlei Hinsicht.
El custodio / Der Schatten von Rodrigo Moreno
Nun konnte der zweite Film ja nicht schlimmer werden. Was aber mit El custodio / Der Schatten in den Wettbewerb programmiert wurde, ist völlig unverständlich. Zahlreiche wertvolle Beiträge aus dem Panorama oder andere Sektionen sind dem Film von Rodrigo Moreno um Längen voraus und überlegen. Das argentinische Drama dreht sich um das Leben des Leibwächters Ruben, dem die Kamera einen ganzen Film lang bei seinem bedeutungslosen und stupiden Leben zugeguckt. Er ist Personenschützer eines bekannten Politikers, sein Schatten. Dabei hat er sich seinem Beruf dermaßen verschrieben, dass er sich und seine Werte zu verlieren droht. Das hat ungeahnte Folgen, besonders für die Menschen, die er eigentlich schützen soll. Die Pressevorführung mit der bisher höchsten Fluktuation von Zuschauern. Wer nicht mehr gehen konnte, dem waren die Augen zugefallen.
V for Vendetta von James McTeigue
Den dritten Versuch startete V for Vendetta von James McTeigue. Ein Beitrag, bei dem man das Gefühl nicht los wird, dass er lediglich als Star-Magnet ins Programm genommen wurde. Außer Konkurrenz, versteht sich. Natalie Portman und Hugo Weaving sind die Hauptdarsteller des Kult-Comic, der in einem faschistisch regierten Großbritannien der Zukunft angesiedelt ist. In der totalitären Welt gehen Freiheit und persönliche Identität verloren. Die junge Evey wird von einem Unbekannten gerettet, der mit virtuoser Kampfkunst und kluger Taktik eine Revolution anzetteln möchte. In einem von Grausamkeit und Korruption durchsetzten Land kämpfen nur wenige um Freiheit und Gerechtigkeit. Die Drehbuchschreiber, die Brüder Wachowsky, verfassten als letztes die Matrix-Trilogie. An diesen Erfolg wird V for Vendetta nicht heranreichen. Ein Film, über den sich nicht mehr sagen lässt als: Kategorie Popcorn und Cola.
Es wird Zeit, sich den anderen Sektionen der Berlinale umzusehen. Der Wettbewerb jedenfalls schwächelt.
(Gesine Grassel)
Die Filme sind noch in folgenden Vorstellungen zu sehen:
Der Freie Wille
Di 14.02., 12:00 Uhr, Urania
Di 14.02., 15:00 Uhr, Urania
Di 14.02., 20:00 Uhr, International
So 19.02., 12:30 Uhr, Berlinale Palast
El Custodio / Der Schatten
Di 14.02., 21:00 Uhr, Urania
Di 14.02., 23:00 Uhr, International
So 19.02., 12:00 Uhr, Urania
V for Vendetta
Di 14.02., 09:30 Uhr, Urania
Di 14.02., 18:30 Uhr, Urania
Di 14.02., 23:30 Uhr, Urania
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