Zum 56. Mal ist Berlin für zehn Tage das internationale Epizentrum für Filmemacher, Filmkritiker und Filmfans. Mit fast 400 Filmen im Programm präsentiert sich die Berlinale in diesem Jahr tausenden Zuschauern, die am ersten Festivaltag gespannt auf den Eröffnungsfilm blickten. Die kleine Katastrophe vom letzten Jahr, als das Evolutionsdrama Man to Man wenig Glanz und Begeisterung hervorrief, sollte wieder gut gemacht werden. So starteten die diesjährigen Filmfestspiele mit dem Sozialdrama Snow Cake. Eine Auswahl, die vollends aufging.
Rund 2000 geladene Gäste verfolgten bei der feierlichen Eröffnung ein ergreifende Geschichte, die so manchen hart gesottenen Zuschauer zu Tränen rührte. Die britisch-kanadische Co-Produktion Snow Cake von Regisseur Marc Evans erzählt von einer folgenreichen Begegnung zweier grundverschiedener Menschen. Der wortkarge Engländer Alan (Alan Rickman) reist ins kalte, verschneite Ontario und wird in einem Imbiss von der flippigen Anhalterin Vivienne (Emily Hampshire) angesprochen. Das wilde, aber liebenswürdige Mädchen macht Eindruck auf den Eremiten und er nimmt sie im Auto mit. Die offene, heitere und lebensfrohe Art der 19-Järhigen lassen den stillen und in sich gekehrten Alan ein bisschen auftauen. Auf eisiger Fahrbahn geraten die beiden in einen Unfall, bei dem Vivienne tödlich verletzt wird. Alan steht unter Schock und macht sich auf den Weg zu ihrer Mutter. Er trifft auf Linda (Sigourney Weaver), die alles andere ist als Alan erwartet hat. Linda ist keine gewöhnliche Mutter – sie ist Autistin, die an einem fast krankhaften Putzfimmel leidet und ihr Leben mit minimalen sozialen Beziehungen bestreitet. Alan beschließt bis zur Beerdigung von Vivienne in dem kleinen Ort zu bleiben und taucht ein in eine wundersame Welt, die traumhaft schön und schmerzvoll zugleich ist. Mit der Zeit findet er Gefallen an dem Leben der seltsamen Gemeinde, verliebt sich, nur um am Ende doch den Weg nach vorne anzutreten. Alan, der gerade erst aus dem Gefängnis entlassen ist, stößt schnell an seine emotionalen Grenzen. Linda kann das Unglück ihrer Tochter zwar begreifen, aber ihre Gefühle nicht zum Ausdruck bringen. Die beiden so unterschiedlichen, aber ähnlich verschlossenen Menschen finden einen Weg zueinander, der weder konstruiert noch irreal wirkt
Der Film ist ein Statement, dass Autismus kein Defizit sein muss. Ein stiller Appell, dass das Glück manchmal an Orten wartet, an denen man es nicht vermutet oder leicht übersehen kann. Marc Evans inszenierte eine filmische Delikatesse über Freundschaft, Liebe, Akzeptanz, Schicksal und vor allem Schnee. Gefrorenes Wasser und Schneeflocken ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte, bringen sie immer wieder zurück zum eigentlich Wichtigen – der Schönheit des Lebens. Ein herausragendes Ensemble an Schauspielern macht Snow Cake zu einem berührenden Wintermärchen und würdigem Eröffnungsfilm. Sigourney Weaver verliert sich als behinderte Mutter nicht in gewollten Gesten. Die intensive Rolle habe sie emotional und körperlich sehr gefordert, verrät der Alien-Star bei der Pressekonferenz. Sie habe gelernt Dinge anders zu sehen und zu erleben und den Wert einfacher Dinge im Leben wieder mehr zu schätzen. Alan Rickman verkörpert den wortkargen, schroffen Einzelgänger Alan perfekt. Selbst die angedeutete Liebesgeschichte zur Nachbarin (angenehm unspektakulär, aber eindringlich: Carrie-Ann Moss) verliert sich nicht in Konventionen.
Leider holt einen auch bei der Berlinale die Wirklichkeit wieder ein. Spätestens, wenn man den gemütlichen Kinosaal verlässt und in das Berliner Winterwetter heraustritt. Regen, Schnee oder was dazwischen – der Eröffnungsfilm hätte nicht passender gewählt werden können.
(Gesine Grassel)
Snow Cake ist noch an folgenden Tagen zu sehen:
Fr 10.02., 12:00 Uhr, Urania
Fr 10.02., 15:00 Uhr, Urania
Fr 10.02., 20:00 Uhr, International
Rund 2000 geladene Gäste verfolgten bei der feierlichen Eröffnung ein ergreifende Geschichte, die so manchen hart gesottenen Zuschauer zu Tränen rührte. Die britisch-kanadische Co-Produktion Snow Cake von Regisseur Marc Evans erzählt von einer folgenreichen Begegnung zweier grundverschiedener Menschen. Der wortkarge Engländer Alan (Alan Rickman) reist ins kalte, verschneite Ontario und wird in einem Imbiss von der flippigen Anhalterin Vivienne (Emily Hampshire) angesprochen. Das wilde, aber liebenswürdige Mädchen macht Eindruck auf den Eremiten und er nimmt sie im Auto mit. Die offene, heitere und lebensfrohe Art der 19-Järhigen lassen den stillen und in sich gekehrten Alan ein bisschen auftauen. Auf eisiger Fahrbahn geraten die beiden in einen Unfall, bei dem Vivienne tödlich verletzt wird. Alan steht unter Schock und macht sich auf den Weg zu ihrer Mutter. Er trifft auf Linda (Sigourney Weaver), die alles andere ist als Alan erwartet hat. Linda ist keine gewöhnliche Mutter – sie ist Autistin, die an einem fast krankhaften Putzfimmel leidet und ihr Leben mit minimalen sozialen Beziehungen bestreitet. Alan beschließt bis zur Beerdigung von Vivienne in dem kleinen Ort zu bleiben und taucht ein in eine wundersame Welt, die traumhaft schön und schmerzvoll zugleich ist. Mit der Zeit findet er Gefallen an dem Leben der seltsamen Gemeinde, verliebt sich, nur um am Ende doch den Weg nach vorne anzutreten. Alan, der gerade erst aus dem Gefängnis entlassen ist, stößt schnell an seine emotionalen Grenzen. Linda kann das Unglück ihrer Tochter zwar begreifen, aber ihre Gefühle nicht zum Ausdruck bringen. Die beiden so unterschiedlichen, aber ähnlich verschlossenen Menschen finden einen Weg zueinander, der weder konstruiert noch irreal wirkt
Der Film ist ein Statement, dass Autismus kein Defizit sein muss. Ein stiller Appell, dass das Glück manchmal an Orten wartet, an denen man es nicht vermutet oder leicht übersehen kann. Marc Evans inszenierte eine filmische Delikatesse über Freundschaft, Liebe, Akzeptanz, Schicksal und vor allem Schnee. Gefrorenes Wasser und Schneeflocken ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte, bringen sie immer wieder zurück zum eigentlich Wichtigen – der Schönheit des Lebens. Ein herausragendes Ensemble an Schauspielern macht Snow Cake zu einem berührenden Wintermärchen und würdigem Eröffnungsfilm. Sigourney Weaver verliert sich als behinderte Mutter nicht in gewollten Gesten. Die intensive Rolle habe sie emotional und körperlich sehr gefordert, verrät der Alien-Star bei der Pressekonferenz. Sie habe gelernt Dinge anders zu sehen und zu erleben und den Wert einfacher Dinge im Leben wieder mehr zu schätzen. Alan Rickman verkörpert den wortkargen, schroffen Einzelgänger Alan perfekt. Selbst die angedeutete Liebesgeschichte zur Nachbarin (angenehm unspektakulär, aber eindringlich: Carrie-Ann Moss) verliert sich nicht in Konventionen.
Leider holt einen auch bei der Berlinale die Wirklichkeit wieder ein. Spätestens, wenn man den gemütlichen Kinosaal verlässt und in das Berliner Winterwetter heraustritt. Regen, Schnee oder was dazwischen – der Eröffnungsfilm hätte nicht passender gewählt werden können.
(Gesine Grassel)
Snow Cake ist noch an folgenden Tagen zu sehen:
Fr 10.02., 12:00 Uhr, Urania
Fr 10.02., 15:00 Uhr, Urania
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