Berlinale 2006 - Der dritte Tag des Wettbewerbs: The New World, Elementarteilchen und The Silence of Sleep
Kinostart:
12.02.2006
Fast ein Drittel der Wettbewerbsfilme haben es bisher auf die Leinwand geschafft und die Journalisten gut unterhalten, deprimiert oder einfach nur gelangweilt. Wenn diese nichts zu meckern haben – das Wetter ist kein Thema mehr, die Bedingungen für die internationale Presse sind gut, die Organisation klappt – sind die Filme dran. Zu Recht, denn herausragend war kaum ein Beitrag im Wettbewerb. Drei neue Versuche in Sachen Goldener Bär waren am heutigen Tag die Filme The New World, Elementarteilchen und The Science of Sleep. Ein wahrer Bären-Favorit lässt aber weiter auf sich warten.
Gleich zu Beginn und außer Konkurrenz lief The New World, der neue Film von Kult-Regisseur Terrence Malick, der die klassische Legende des Indianermärchens Pocahontas neu aufrollt. Daneben zeigt er eine Liebesgeschichte in Zeiten des großen Umbruchs. Als Im April 1607 britische Schiffe die nordamerikanische Küste erreichen und die Kolonialisierung in vollem Gange ist, geht auch der Eroberer John Smith von Board. Gespielt wird der rebellische Kriegsveteran im Kreise der englischen Siedler von Colin Farrell. Das fremde und geheimnisvolle Land wird vom mächtigen und brutalen König Powhatan beherrscht. Zwischen den Stämmen der Ureinwohner und den Europäern entwickelt sich eine Feindschaft, die immer bedrohlicher wird. Smith versucht die Indianer als Verbündete auf seine Seite zu ziehen und legt sein besonderes Augenmerk auf die schöne Häuptlingstochter Pocahontas. Im Jahr 1999 gewann Terrence Malick mit seinem Kriegsdrama Thin Red Line / Der schmale Grat den Goldenen Bären . Wäre sein Film im offiziellen Wettbewerb zu sehen gewesen, hätte er mit seinem Vorgänger nicht gleichziehen können. Der Film hat einige Längen und bleibt farblos. Auch wenn der medienscheue Regisseur mit großen Bildern agiert, wirkt der Film zu glatt bis kitschig.
Der erste deutsche Beitrag im Wettbewerb ist Elementarteilchen von Oskar Roehler. Ein Film, der vor allem mit einem Staraufgebot aufwartet: Moritz Bleibtreu, Christian Ulmen, Martina Gedeck, Franka Potente, Nina Hoss, Uwe Ochsenknecht, Tom Schilling, Jasmin Tabatabai, Michael Gwisdek, Herbert Knaup und Corinna Harfouch. Doch auch dieses schwindelerregende Aufgebot deutscher Schauspielkunst kann nicht verhindern, dass der Film den Zuschauer unbefriedigt entlässt. Die Verfilmung von Michel Houellebecqs kontrovers diskutiertem Romans spart an den Schätzen des Buches: Single-Gesellschaft, Paradigmenstreit, Verlust der Tradition und Leiden am Zeitgeist werden lediglich gestreift. Erzählt wird die Geschichte zweier Halbbrüder auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Der sexbesessene Lehrer Bruno und der Molekularbiologe Michael, der sich mit der Abschaffung des sexuellen Verlangens beschäftigt, begegnen im Laufe des Filmes beide der Liebe ihres Lebens, doch ihr Glück ist von kurzer Dauer. Trotz eindringlicher Auftritte geht Elementarteilchen am Zuschauer vorbei. Roehler versucht sich an großen Emotionen und tiefgründig, flockigem Humor und verliert dabei die Geschichte aus den Augen. Daher verwunderte es nicht, dass der Beifall eher mäßig ausfiel.
Komplett gegensätzlich und mit viel Mut zum Experiment schickt der französische Regisseur Michel Gondry seinen Film The Science of Sleep ins Rahmenprogramm, denn auch dieser Beitrag läuft außer Konkurrenz. Gondry ist seinem Stil aus Vergiss mein nicht treu geblieben. Che-Darsteller Gael Garciá Bernal ist Stephane, dessen Leben sich zwischen Traum und Wirklichkeit bewegt. Die Grenzen sind fließend und er kann nicht erkennen oder beeinflussen, in welchem Zustand er sich gerade befindet. Die Welt des Unbewussten wirkt in das reale Leben hinein und Stephane beginnt sich in seine Träume zurückzuziehen. Als er sich in seine Nachbarin verliebt, hat die Verwechselung von Traum und Realität ungeahnte Folgen. Für alle Beteiligte.
(Gesine Grassel)
Die Filme sind noch in folgenden Vorstellungen zu sehen:
The New World
So 12.02., 12:00 Uhr, Urania
So 12.02., 15:00 Uhr, Urania
So 12.02. 22:30 Uhr, International
Mo 13.02., 19:00 Uhr, HKW 1 Auditorium
Elementarteilchen
So 12.02., 09:30 Uhr, Urania
So 12.02., 21:00 Uhr, Urania
So 19.02., 23:30 Uhr, Urania
The Science of Sleep
So 12.02., 18:30 Uhr, Urania
So 12.02., 23:30 Uhr, Urania
Gleich zu Beginn und außer Konkurrenz lief The New World, der neue Film von Kult-Regisseur Terrence Malick, der die klassische Legende des Indianermärchens Pocahontas neu aufrollt. Daneben zeigt er eine Liebesgeschichte in Zeiten des großen Umbruchs. Als Im April 1607 britische Schiffe die nordamerikanische Küste erreichen und die Kolonialisierung in vollem Gange ist, geht auch der Eroberer John Smith von Board. Gespielt wird der rebellische Kriegsveteran im Kreise der englischen Siedler von Colin Farrell. Das fremde und geheimnisvolle Land wird vom mächtigen und brutalen König Powhatan beherrscht. Zwischen den Stämmen der Ureinwohner und den Europäern entwickelt sich eine Feindschaft, die immer bedrohlicher wird. Smith versucht die Indianer als Verbündete auf seine Seite zu ziehen und legt sein besonderes Augenmerk auf die schöne Häuptlingstochter Pocahontas. Im Jahr 1999 gewann Terrence Malick mit seinem Kriegsdrama Thin Red Line / Der schmale Grat den Goldenen Bären . Wäre sein Film im offiziellen Wettbewerb zu sehen gewesen, hätte er mit seinem Vorgänger nicht gleichziehen können. Der Film hat einige Längen und bleibt farblos. Auch wenn der medienscheue Regisseur mit großen Bildern agiert, wirkt der Film zu glatt bis kitschig.
Der erste deutsche Beitrag im Wettbewerb ist Elementarteilchen von Oskar Roehler. Ein Film, der vor allem mit einem Staraufgebot aufwartet: Moritz Bleibtreu, Christian Ulmen, Martina Gedeck, Franka Potente, Nina Hoss, Uwe Ochsenknecht, Tom Schilling, Jasmin Tabatabai, Michael Gwisdek, Herbert Knaup und Corinna Harfouch. Doch auch dieses schwindelerregende Aufgebot deutscher Schauspielkunst kann nicht verhindern, dass der Film den Zuschauer unbefriedigt entlässt. Die Verfilmung von Michel Houellebecqs kontrovers diskutiertem Romans spart an den Schätzen des Buches: Single-Gesellschaft, Paradigmenstreit, Verlust der Tradition und Leiden am Zeitgeist werden lediglich gestreift. Erzählt wird die Geschichte zweier Halbbrüder auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Der sexbesessene Lehrer Bruno und der Molekularbiologe Michael, der sich mit der Abschaffung des sexuellen Verlangens beschäftigt, begegnen im Laufe des Filmes beide der Liebe ihres Lebens, doch ihr Glück ist von kurzer Dauer. Trotz eindringlicher Auftritte geht Elementarteilchen am Zuschauer vorbei. Roehler versucht sich an großen Emotionen und tiefgründig, flockigem Humor und verliert dabei die Geschichte aus den Augen. Daher verwunderte es nicht, dass der Beifall eher mäßig ausfiel.
Komplett gegensätzlich und mit viel Mut zum Experiment schickt der französische Regisseur Michel Gondry seinen Film The Science of Sleep ins Rahmenprogramm, denn auch dieser Beitrag läuft außer Konkurrenz. Gondry ist seinem Stil aus Vergiss mein nicht treu geblieben. Che-Darsteller Gael Garciá Bernal ist Stephane, dessen Leben sich zwischen Traum und Wirklichkeit bewegt. Die Grenzen sind fließend und er kann nicht erkennen oder beeinflussen, in welchem Zustand er sich gerade befindet. Die Welt des Unbewussten wirkt in das reale Leben hinein und Stephane beginnt sich in seine Träume zurückzuziehen. Als er sich in seine Nachbarin verliebt, hat die Verwechselung von Traum und Realität ungeahnte Folgen. Für alle Beteiligte.
(Gesine Grassel)
Die Filme sind noch in folgenden Vorstellungen zu sehen:
The New World
So 12.02., 12:00 Uhr, Urania
So 12.02., 15:00 Uhr, Urania
So 12.02. 22:30 Uhr, International
Mo 13.02., 19:00 Uhr, HKW 1 Auditorium
Elementarteilchen
So 12.02., 09:30 Uhr, Urania
So 12.02., 21:00 Uhr, Urania
So 19.02., 23:30 Uhr, Urania
The Science of Sleep
So 12.02., 18:30 Uhr, Urania
So 12.02., 23:30 Uhr, Urania
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