Am 13.5. startet Norbert Baumgartens Befreite Zone in Deutschland. Der Film über den „Aufschwung Ost“ erzählt die ungewöhnliche Geschichte einer Dorfmannschaft aus dem Osten, die sich Anfang der neunziger Jahre bis in die Endrunde des DFB-Pokals spielt.
Wie ist die Idee zu diesem Film entstanden? Wie haben Sie zu Ihrem Thema und Ihrer Geschichte gefunden? Wie haben Sie zu der Erzählform gefunden, in der sich die Geschichte nun präsentiert?
Cooky Ziesche, die Redakteurin des damaligen ORB rief mich an und bot mir die Regie für ein Ostwindprojekt an. Zu diesem Zeitpunkt gab es ein ausgearbeitetes Treatment in dem der Grundeinfall: Fußball – Ostdeutschland – schwarzer Mann – weiße Frau – Liebe schon enthalten war. Der Grundton des Stoffes war aber eher melodramatisch und die Perspektive aus der erzählt wurde war eine von Außen. Also eine die mehr geprägt war von Berichten aus den Medien, als eine die von den Menschen etwas wusste. Dadurch habe ich zunächst keinen Zugang zum Stoff finden können. Ich fand aber den Einfall Fußball als Metapher für all die Illusionen die sich die Menschen im Osten gemacht haben interessant und sah darin für mich die Möglichkeit von ganz persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen zu erzählen, die ich aufgrund meiner Herkunft gemacht habe und die ich so noch nie in einem Film über den Osten gesehen hatte. Also habe ich im Gespräch mit Cooky Ziesche für das Thema, aber gegen die Machart argumentiert. Und im Ergebnis dessen hatte ich dann plötzlich den Auftrag das Drehbuch selbst zu schreiben. Ich bin dann 14 Tage in meine alte Heimat gefahren, um meine Familie und Freunde zu besuchen und habe allen erzählt, dass ich einen Film über den Osten machen will. Ich war an ihrem Alltag interessiert - Arbeit, Freizeit, Träume, Sehnsüchte, solche Dinge. Ich hatte die Hoffnung, wenn ich mich im Vertrauten bewegen würde, bekomme ich ein Gefühl für meine Geschichte und meine Figuren. Denn ich musste ja noch einmal von vorn anfangen, außer dem Grundeinfall habe ich nichts aus dem alten Treatment übernommen. Das Material, das ich so gesammelt hatte, machte mir schnell klar, dass ich all das Widersprüchliche, Komplizierte und Ambivalente, das sich da vor mir auftat, nicht auf ein oder zwei Figuren abladen konnte. So kam es zu dem großen Ensemble an Figuren, die den Film nun bewohnen. Die Schwierigkeit beim Schreiben bestand für mich zu aller erst darin, mich in all die unterschiedlichen Figuren zu verlieben. Das schien mir wichtig, denn ich wollte nah bei den Figuren bleiben, vor allem wenn sie Dinge taten und Ansichten äußerten, die nicht Meine waren. Das der Film im Ergebnis mehr zum Komischen neigt, liegt daran, das ich trotz aller Nähe zu den Figuren, eine gewisse Distanz bewahren wollte. Ich denke, dass sich für einen Geschichtenerzähler Verständnis und Kritik nicht ausschließen.
Was hat es mit dem Titel BEFREITE ZONE auf sich?Der Titel "Befreite Zone" meint die mediale Verkürzung, in der wir alle leben. Also etwas, was uns helfen soll, bestimme Probleme, die die Realität für uns bereit hält zu kategorisieren, um sie dann in dieser Schublade abzulegen und nicht mehr länger darüber nachzudenken. Der Film erzählt nun eine Geschichte, die über diese Vereinfachung hinausgeht, indem er von Menschen berichtet und dabei ihre Stärken und vor allem ihre Schwächen deutlich macht. Zusammen ergeben Titel und Geschichte ein Ganzes.
Was war Ihnen besonders wichtig an diesem Projekt?
Die Schwierigkeit einen Film über den Osten zu machen liegt unter anderem darin, dass man sich gegenüber einem medialen Bild das die Öffentlichkeit über den Osten hat behaupten muss. Skandalisierung und Stimmungsmache haben dazu geführt, dass sich eine sehr einseitige Sicht auf die Menschen im Osten durchgesetzt hat. Es gibt Rassismus und Ostkatastrophe. Aber weder durch das Ausmalen noch durch das Ausnutzen dieser Themen entsteht Besserung. Hinter den schrecklichsten Schlagzeilen verbergen sich oft komplizierte, persönliche Schicksale, die einen Anfang hatten. Uns war es wichtig, genau das deutlich zu machen und den Blick des Publikums auch auf vernachlässigte Themen wie Liebe, Sexualität, Träumereien zu lenken. Das ist keine Flucht vor ostdeutscher Wirklichkeit, sondern der Versuch weniger heuchlerisch mit der Situation im Osten umzugehen. Erst durch das gleichberechtigte Nebeneinander von Monströsem und Zärtlichem entsteht meiner Meinung nach etwas, dass ehrlichere und genauere Auskunft über die Menschen im Osten gibt.
Welche Erwartungen hatten Sie und welche Erfahrungen haben Sie während der Arbeit an dem Film gemacht?
Uns war von Anfang an klar, dass es schwierig werden würde dieses aufwändige Drehbuch, mit seinen vielen Figuren und Schauplätzen, mit dem wenigen Geld, das uns zur Verfügung stand halbwegs anständig auf die Beine zustellen. Wir haben uns im Vorfeld genau überlegt, wie wir besonders komplizierte und aufwändige Szenen gestallten können. Das führte dann zu der Ästhetik, die den Film jetzt charakterisiert. Wir wussten, dass wir sehr gute Schauspieler selbst für die kleinste Rolle hatten und dass das unser wichtigster Trumpf war. Wir haben dann versucht die Technik möglichst in den Hintergrund treten zu lassen, um so den Schauspielern mehr Raum für ihre Gestaltung zu geben. Das war glaube ich eine gute Entscheidung. Natürlich kann man das auch anders machen, aber in unserem Falle hätte das den Zeit - und Geldrahmen gesprengt. Bescheidenheit war deshalb angesagt. Die Erfahrungen die ich dabei machen konnte sind natürlich enorm. Man versucht ja die ganze Zeit seine Arbeit zu reflektieren. Beim Schreiben, beim Drehen, während des Schnittes, am fertigen Film. Dabei stellte man fest das einige Entscheidungen die man getroffen hat richtig waren und andere nicht. Für den Film ist nur wichtig, dass die richtigen Entscheidungen in der Überzahl sind. Für mich sind natürlich die falschen Entscheidungen am wichtigsten, weil sie nach Verbesserung schreien und mir die Möglichkeit geben mich weiter zu entwickeln.
Was hat Sie am meisten beeindruckt?
Der größte Teil des Films wurde in Rüdersdorf gedreht. Das ist eine kleine Stadt östlich von Berlin. Wir wurden da mit offenen Armen empfangen und auf außergewöhnliche Weise unterstützt. Viele Rüdersdorfer haben als Komparsen und Kleindarsteller mitgewirkt und somit stark die Atmosphäre des Films geprägt. Dabei haben sie oft Stunden gewartet ohne eine Beschwerde und das alles für sehr wenig Geld. Ich glaube sie haben gemerkt, dass wir wirklich am Lebensalltag der Menschen im Osten interessiert waren. Das war eine gute Zusammenarbeit. So etwas kann man nicht planen, dass passiert einfach. Wir haben das als großes Glück empfunden.
Was wünschen Sie sich für den Film?
Natürlich wünsche ich mir, dass der Film möglichst viele Menschen erreicht. Mir ist aber auch klar, dass er es schwer haben wird überhaupt bemerkt zu werden. Ich habe aber die Hoffnung, dass es ein Publikum gibt, das ein Interesse hat, sich mit der Gegenwart auseinander zu setzen.
Wie ist die Idee zu diesem Film entstanden? Wie haben Sie zu Ihrem Thema und Ihrer Geschichte gefunden? Wie haben Sie zu der Erzählform gefunden, in der sich die Geschichte nun präsentiert?
Cooky Ziesche, die Redakteurin des damaligen ORB rief mich an und bot mir die Regie für ein Ostwindprojekt an. Zu diesem Zeitpunkt gab es ein ausgearbeitetes Treatment in dem der Grundeinfall: Fußball – Ostdeutschland – schwarzer Mann – weiße Frau – Liebe schon enthalten war. Der Grundton des Stoffes war aber eher melodramatisch und die Perspektive aus der erzählt wurde war eine von Außen. Also eine die mehr geprägt war von Berichten aus den Medien, als eine die von den Menschen etwas wusste. Dadurch habe ich zunächst keinen Zugang zum Stoff finden können. Ich fand aber den Einfall Fußball als Metapher für all die Illusionen die sich die Menschen im Osten gemacht haben interessant und sah darin für mich die Möglichkeit von ganz persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen zu erzählen, die ich aufgrund meiner Herkunft gemacht habe und die ich so noch nie in einem Film über den Osten gesehen hatte. Also habe ich im Gespräch mit Cooky Ziesche für das Thema, aber gegen die Machart argumentiert. Und im Ergebnis dessen hatte ich dann plötzlich den Auftrag das Drehbuch selbst zu schreiben. Ich bin dann 14 Tage in meine alte Heimat gefahren, um meine Familie und Freunde zu besuchen und habe allen erzählt, dass ich einen Film über den Osten machen will. Ich war an ihrem Alltag interessiert - Arbeit, Freizeit, Träume, Sehnsüchte, solche Dinge. Ich hatte die Hoffnung, wenn ich mich im Vertrauten bewegen würde, bekomme ich ein Gefühl für meine Geschichte und meine Figuren. Denn ich musste ja noch einmal von vorn anfangen, außer dem Grundeinfall habe ich nichts aus dem alten Treatment übernommen. Das Material, das ich so gesammelt hatte, machte mir schnell klar, dass ich all das Widersprüchliche, Komplizierte und Ambivalente, das sich da vor mir auftat, nicht auf ein oder zwei Figuren abladen konnte. So kam es zu dem großen Ensemble an Figuren, die den Film nun bewohnen. Die Schwierigkeit beim Schreiben bestand für mich zu aller erst darin, mich in all die unterschiedlichen Figuren zu verlieben. Das schien mir wichtig, denn ich wollte nah bei den Figuren bleiben, vor allem wenn sie Dinge taten und Ansichten äußerten, die nicht Meine waren. Das der Film im Ergebnis mehr zum Komischen neigt, liegt daran, das ich trotz aller Nähe zu den Figuren, eine gewisse Distanz bewahren wollte. Ich denke, dass sich für einen Geschichtenerzähler Verständnis und Kritik nicht ausschließen.
Was hat es mit dem Titel BEFREITE ZONE auf sich?Der Titel "Befreite Zone" meint die mediale Verkürzung, in der wir alle leben. Also etwas, was uns helfen soll, bestimme Probleme, die die Realität für uns bereit hält zu kategorisieren, um sie dann in dieser Schublade abzulegen und nicht mehr länger darüber nachzudenken. Der Film erzählt nun eine Geschichte, die über diese Vereinfachung hinausgeht, indem er von Menschen berichtet und dabei ihre Stärken und vor allem ihre Schwächen deutlich macht. Zusammen ergeben Titel und Geschichte ein Ganzes.
Was war Ihnen besonders wichtig an diesem Projekt?
Die Schwierigkeit einen Film über den Osten zu machen liegt unter anderem darin, dass man sich gegenüber einem medialen Bild das die Öffentlichkeit über den Osten hat behaupten muss. Skandalisierung und Stimmungsmache haben dazu geführt, dass sich eine sehr einseitige Sicht auf die Menschen im Osten durchgesetzt hat. Es gibt Rassismus und Ostkatastrophe. Aber weder durch das Ausmalen noch durch das Ausnutzen dieser Themen entsteht Besserung. Hinter den schrecklichsten Schlagzeilen verbergen sich oft komplizierte, persönliche Schicksale, die einen Anfang hatten. Uns war es wichtig, genau das deutlich zu machen und den Blick des Publikums auch auf vernachlässigte Themen wie Liebe, Sexualität, Träumereien zu lenken. Das ist keine Flucht vor ostdeutscher Wirklichkeit, sondern der Versuch weniger heuchlerisch mit der Situation im Osten umzugehen. Erst durch das gleichberechtigte Nebeneinander von Monströsem und Zärtlichem entsteht meiner Meinung nach etwas, dass ehrlichere und genauere Auskunft über die Menschen im Osten gibt.
Welche Erwartungen hatten Sie und welche Erfahrungen haben Sie während der Arbeit an dem Film gemacht?
Uns war von Anfang an klar, dass es schwierig werden würde dieses aufwändige Drehbuch, mit seinen vielen Figuren und Schauplätzen, mit dem wenigen Geld, das uns zur Verfügung stand halbwegs anständig auf die Beine zustellen. Wir haben uns im Vorfeld genau überlegt, wie wir besonders komplizierte und aufwändige Szenen gestallten können. Das führte dann zu der Ästhetik, die den Film jetzt charakterisiert. Wir wussten, dass wir sehr gute Schauspieler selbst für die kleinste Rolle hatten und dass das unser wichtigster Trumpf war. Wir haben dann versucht die Technik möglichst in den Hintergrund treten zu lassen, um so den Schauspielern mehr Raum für ihre Gestaltung zu geben. Das war glaube ich eine gute Entscheidung. Natürlich kann man das auch anders machen, aber in unserem Falle hätte das den Zeit - und Geldrahmen gesprengt. Bescheidenheit war deshalb angesagt. Die Erfahrungen die ich dabei machen konnte sind natürlich enorm. Man versucht ja die ganze Zeit seine Arbeit zu reflektieren. Beim Schreiben, beim Drehen, während des Schnittes, am fertigen Film. Dabei stellte man fest das einige Entscheidungen die man getroffen hat richtig waren und andere nicht. Für den Film ist nur wichtig, dass die richtigen Entscheidungen in der Überzahl sind. Für mich sind natürlich die falschen Entscheidungen am wichtigsten, weil sie nach Verbesserung schreien und mir die Möglichkeit geben mich weiter zu entwickeln.
Was hat Sie am meisten beeindruckt?
Der größte Teil des Films wurde in Rüdersdorf gedreht. Das ist eine kleine Stadt östlich von Berlin. Wir wurden da mit offenen Armen empfangen und auf außergewöhnliche Weise unterstützt. Viele Rüdersdorfer haben als Komparsen und Kleindarsteller mitgewirkt und somit stark die Atmosphäre des Films geprägt. Dabei haben sie oft Stunden gewartet ohne eine Beschwerde und das alles für sehr wenig Geld. Ich glaube sie haben gemerkt, dass wir wirklich am Lebensalltag der Menschen im Osten interessiert waren. Das war eine gute Zusammenarbeit. So etwas kann man nicht planen, dass passiert einfach. Wir haben das als großes Glück empfunden.
Was wünschen Sie sich für den Film?
Natürlich wünsche ich mir, dass der Film möglichst viele Menschen erreicht. Mir ist aber auch klar, dass er es schwer haben wird überhaupt bemerkt zu werden. Ich habe aber die Hoffnung, dass es ein Publikum gibt, das ein Interesse hat, sich mit der Gegenwart auseinander zu setzen.




