Womit machen die deutschen Fernsehsender ihre besten Quoten? Es sind seltener US-Serien, mit denen Rekorde gebrochen werden. Auch die US-Filme, die noch im Kino die Kassen klingeln ließen, erreichen nicht immer ein Publikum, wie es sich die Sender gewünscht hätten. Echte Kinofilme sieht man eher im Kino und nicht auf der Mattscheibe. Rekordquoten erzielen die Sender überaus häufig mit TV-Filmen: Bei Die Patriarchin mit Iris Berben, Das Wunder von Lengede oder Eine ungehorsame Frau mit Veronika Ferres sehen bis zu neun Millionen Menschen zu. Manchmal fragt man sich, warum diese Projekte vor der TV-Ausstrahlung nicht auch für das Kino ausgewertet werden. Würden diese Filme nicht auch ihr Kinopublikum finden und die deutschen Kinos bereichern? Ist eine Fernsehausstrahlung nicht auch manchmal eine Verschwendung von guter Qualität? Es scheint ein ungeschriebenes Gesetz zu sein, dass Filme, die fürs Fernsehen produziert werden, keine Chance haben, es im Kino zu versuchen.
In diesem Jahr war dies anders. Im Jahre 2004 drehte Dani Levy seinen ersten Fernsehfilm und stellte Alles auf Zucker! in kaum vier Wochen fertig. Das Produkt fand bei X-Verleih, für den der Film auch die erste Fernsehproduktion darstellte, gleich großen Anklang. Die Mitarbeiter ahnten, dass es sich um einen Film handelt, der sein Publikum auch im Kino finden könnte. Der X-Verleih zeigte den Film einem Test-Publikum, um die Kino-Reaktionen zu testen – und schnell wurde deutlich, dass Alles auf Zucker! in den Sälen für Stimmung sorgte. Man entschloss sich für eine zaghafte Kino-Auswertung und setze den 4. November 2004 als Starttermin fest. Später wurde der Termin auf den 6. Januar 05 verschoben.
Nur 67 Kopien wurden hergestellt und an ausgewählte Kinos geliefert – meist an Arthouse-Kinos, aber auch an wenige Multiplexe, in denen der Trailer bereits auf Interesse gestoßen war. Der Termin war recht geschickt gewählt. Liebhaber des deutschen Filmes hatten zu dieser Zeit kaum Auswahl: Die fetten Jahre sind vorbei lief bereits sechs Wochen, während der mit Spannung erwartete Dietl-Film Vom Suchen und Finden der Liebe und das Nazi-Drama Napola erst ein bzw. zwei Wochen darauf ihren Termin hatten.
Erfolg vom ersten Wochenende an
Bereits am Startwochenende sorgte Alles auf Zucker! für Überraschungen: Die 67 Kopien reichten kaum aus, den Besucherandrang zu befriedigen. In den Multiplexen wurde der Film in einen größeren Saal verlegt, Interlocks wurden organisiert, und die Arthouse-Kinos freuten sich über ausverkaufte Vorstelllungen. Nach dem Startwochenende hatte Alles auf Zucker! 73.628 Besucher, setzte sich in den nationalen Charts auf Platz 10 und bekam als erster Film des Jahres den „Bogey“ für 1099 Besucher pro Kopie. Ein sensationeller Erfolg!
Darauf reagierte der Verleih und lieferte weitere 35 Kopien an interessierte Kinos aus. Diese dann fast flächendeckende Versorgung mit dem Film sorgte dafür, dass die Besucherzahl in der darauffolgenden Woche konstant blieb. Am 14. Februar wurde Dani Levy für Alles auf Zucker! vom Club der Filmjournalisten Berlin für „die beste komödiantische Leistung in einem deutschsprachigen Film“ ausgezeichnet, was das Interesse des Publikums erneut anheizte. Der Film bewies in den darauffolgenden Wochen erstaunliche Hartnäckigkeit. Zwar konnten die Top Ten nicht mehr gehalten werden, jedoch brachen die Zahlen von Woche zu Woche nur um wenige Prozentpunkte ein, so dass nach zehn Wochen der Einstieg in die erfolgreichsten fünfzig Filme des Jahres gefeiert werden konnte.
Nachdem Anfang April die Zuschauerzahl auf die 700.000 zuging, wurde die geplante Fernsehausstrahlung diskutiert. Diese war drei Monate nach Kinostart geplant, was jedoch von Kinobetreibern, die sich über ein konstantes Geschäft freuten, kritisiert wurde. Die TV-Premiere wurde auf Ende September verschoben, so dass der Film weiter im Kino ausgewertet werden konnte.
Und der Film hielt sich weiterhin in den Charts, verlor ein paar Plätze, gewann dann wieder Zuschauer und sackte auch wieder ab, ohne jedoch ganz aus den Kinos zu verschwinden. Während europäische Filme wie Vom Suchen und Finden der Liebe mit großen Erwartungen, beeindruckenden Werbemaßnahmen und Fernsehauftritten der Schauspieler begleitet wurden und dennoch nicht für einen befriedigenden Erfolg garantieren konnten, sprach sich der hohe Unterhaltungswert von Alles auf Zucker! durch private Gespräche, die „Mund-zu-Mund-Propaganda“, herum. In den Kinos konnte das Personal Besucher begrüßen, die viele Jahre kein Kino von innen gesehen hatte. Der Film sprach ein Publikum an, dass sich nicht von der Schnelllebigkeit der Blockbuster beeindrucken ließ und sich freuten, Hannelore Elsner und Henry Hübchen wieder im Kino sehen zu können.
Am 9. Mai geschah eine Sensation: Die Deutsche Filmakademie gab die Nominierungen zum Deutschen Filmpreis bekannt. Zehn Nominierungen konnte Alles auf Zucker! auf sich vereinen, darunter die fünf Hauptkategorien „Bester Film“, „Bestes Drehbuch“, „Beste Regie“, „Bester männlicher Hauptdarsteller“ und „Beste weibliche Hauptdarstellerin“. Die Filmakademie ließ sich nicht von dem kommerziellen Erfolg von Der Untergang beeindrucken und setzte auf den Dani-Levy-Film.
Beeindrucken ließ sich allerdings noch nicht das Publikum. Die Nominierungen allein reichten nicht aus, Alles auf Zucker! einen bemerkenswerten Schub an Besucherzahlen zu verschaffen. Die Zahlen sanken langsam, um Anfang Juni, in der einundzwanzigsten Spielwoche, schien der Tiefpunkt erreicht: Platz 42 in den Charts – nur 1553 Besucher hatten noch Interesse, den Levy-Film im Kino zu sehen, was einen traurigen Schnitt von 29 Besucher pro Kopie brachte. Allerdings lohnt sich hier aber ein genaueres Hinsehen: Viele Kinobetreiber hatten sehr genau die Nominierungen zum Filmpreis beobachtet, und auch wenn die Zahlen nicht mehr erfreulich waren, hielten viele Kinos den Film mit teilweise einer Vorstellung pro Woche, beispielsweise in der Sonntagsmatinee, um die Kopie nicht abgeben zu müssen und auf diese Weise die Zeit bis zur Preisverleihung zu überbrücken. Daher ist der magere Kopienschnitt auch als Erfolg zu werten.
In dieser Zeit war der X-Verleih nicht untätig und konnte internationale Verhandlungen für Alles auf Zucker! führen. Der Film war auch im Ausland auf Interesse gestoßen und konnte inzwischen in über 20 Länder verkauft werden, darunter Australien/Neuseeland, Israel, Italien, Österreich, Schweiz, Russland und Polen. Auch die US-Amerikaner griffen zu, obwohl ein Detail der Handlung zu einem Skandal führte: Dass in Alles auf Zucker! Cousin und Cousine heftig flirten und schließlich Sex miteinander haben, gilt in manchen US-Bundesstaaten als Inzucht und wird daher kaum in dieser Form im Kino zu sehen sein. Es bleibt abzuwarten, ob die entsprechenden Szenen um- oder herausgeschnitten werden.
Aufschwung durch Lola
Am 8. Juli war es dann soweit: Der deutsche Film feierte sich in bester Stimmung in der Berliner Philharmonie, und die 650 Mitglieder hatten ihre Entscheidungen gefällt. Als Abräumer bei der Gala mit sechs Preisen ging Dani Levys Komödie hervor: Alles auf Zucker! wurde als bester Film, für die beste Regie, für das beste Drehbuch, das beste Kostümbild, für die beste Filmmusik und für den besten Hauptdarsteller ausgezeichnet. Henry Hübchen jubelte: „Ich habe Hitler geschlagen. So ein kleiner, verkappter Kommunist jüdischer Herkunft hat Hitler geschlagen!“ und nahm seine Goldene Lola entgegen.
Die Presse berichtete breit über die Preisverleihung, auch im Fernsehen war die Gala zu sehen. Und es zeigte sich, dass die Lola auch an der Kasse noch Wunder bewirken kann: Die Besucherzahl von Alles auf Zucker! legte kräftig zu. Nachdem die Kopienzahl um 55% aufgestockt werden konnte, wurde ein Besucheranstieg um sagenhafte 407% im Vergleich zur Vorwoche beobachtet, und schließlich konnte sich der Film mit über 13.000 Besuchern in seiner 27. Spielwoche in den Top Ten der deutschen Kinocharts wiederfinden.
Über großes Besucherinteresse freuten sich auch Kinobetreiber jenseits der Kinosäle. Alles auf Zucker! wurde vielfach auch in die Programme der Open-Air-Kinos aufgenommen – eine waghalsige Planung für einen Spartenfilm, der sich in den Programmen neben Blockbustern wie Krieg der Welten oder Batman Begins wiederfand. Aber auch hier konnte sich der Film behaupten: Im Frankenheim Open Air Kino, das jährlich am Rheinufer in Düsseldorf stattfindet und zu den schönsten und größten Sommerkinos zählt, wurde Alles auf Zucker! einer der größten Erfolge:
Die Besucher wollten nicht Gefahr laufen, keine Plätze mehr zu bekommen und sicherten sich ihre Karten lange vor der Vorstellung, so dass die Veranstalter bald ein „Ausverkauft!“ melden konnten. Fast 2200 Besucher amüsierten sich mit Jackie Zucker auf der 400 Quadratmeter großen Leinwand.
Durch den weiter wachsenden Besucherandrang scheint Zucker! weiterhin in den deutschen Kino-Top Ten fest verwurzelt zu sein. In der 29. Spielwoche kann der Film erneut an Besucher gewinnen. Mit Erstaunen werden in den Kinos ausverkaufte Vorstellungen registriert, so dass die Besucher-Million in kurzer Zeit erreicht sein wird.
Mit Spannung kann nun abgewartet werden, wie der Film vom ausländischen Publikum aufgenommen wird. Nachdem Der Untergang weltweit zu einem Erfolg und so hart diskutiert wurde, scheint Alles auf Zucker! der krasseste Kontrast zu sein. Eines ist wohl sicher: Auch außerhalb Deutschlands wird der Film aus der Menge herausragen und auf Interesse stoßen.
TV-Filme im Kino – demnächst häufiger?
Obwohl Alles auf Zucker! ein großer Kinoerfolg ist, bleibt er jedoch ein Fernsehfilm. Die TV-Premiere ist für September geplant, und kurze Zeit später wird die Kinoauswertung abgeschlossen sein. So mancher Zuschauer wird sich über die schnelle Fernsehausstrahlung wundern – und sich ärgern, dass er noch wenige Woche zuvor Geld für eine Kinokarte ausgegeben hat. Damit sich die Verwirrung auch nicht legt, wird es erst nach der Fernsehpremiere die Zucker-DVD geben – rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft.
Ein Fernsehfilm, der im Kino für Stimmung auf allen Seiten sorgt – ist daraus ein Trend abzuleiten? Vermutlich nicht, was zu bedauern ist. Die öffentlich-rechtlichen und auch die privaten Fernsehanstalten produzieren hochwertige Ware mit guten Drehbüchern, großem Etat, bekannten Schauspielern - und stoßen damit auf ein überaus großes Publikum. Vielleicht veranlasst Alles auf Zucker! die Verantwortlichen dazu, über eine Kinoauswertung ihrer TV-Produkte nachzudenken. Es könnte sich lohnen.
(Holger Lodahl)
In diesem Jahr war dies anders. Im Jahre 2004 drehte Dani Levy seinen ersten Fernsehfilm und stellte Alles auf Zucker! in kaum vier Wochen fertig. Das Produkt fand bei X-Verleih, für den der Film auch die erste Fernsehproduktion darstellte, gleich großen Anklang. Die Mitarbeiter ahnten, dass es sich um einen Film handelt, der sein Publikum auch im Kino finden könnte. Der X-Verleih zeigte den Film einem Test-Publikum, um die Kino-Reaktionen zu testen – und schnell wurde deutlich, dass Alles auf Zucker! in den Sälen für Stimmung sorgte. Man entschloss sich für eine zaghafte Kino-Auswertung und setze den 4. November 2004 als Starttermin fest. Später wurde der Termin auf den 6. Januar 05 verschoben.
Nur 67 Kopien wurden hergestellt und an ausgewählte Kinos geliefert – meist an Arthouse-Kinos, aber auch an wenige Multiplexe, in denen der Trailer bereits auf Interesse gestoßen war. Der Termin war recht geschickt gewählt. Liebhaber des deutschen Filmes hatten zu dieser Zeit kaum Auswahl: Die fetten Jahre sind vorbei lief bereits sechs Wochen, während der mit Spannung erwartete Dietl-Film Vom Suchen und Finden der Liebe und das Nazi-Drama Napola erst ein bzw. zwei Wochen darauf ihren Termin hatten.
Erfolg vom ersten Wochenende an
Bereits am Startwochenende sorgte Alles auf Zucker! für Überraschungen: Die 67 Kopien reichten kaum aus, den Besucherandrang zu befriedigen. In den Multiplexen wurde der Film in einen größeren Saal verlegt, Interlocks wurden organisiert, und die Arthouse-Kinos freuten sich über ausverkaufte Vorstelllungen. Nach dem Startwochenende hatte Alles auf Zucker! 73.628 Besucher, setzte sich in den nationalen Charts auf Platz 10 und bekam als erster Film des Jahres den „Bogey“ für 1099 Besucher pro Kopie. Ein sensationeller Erfolg!
Darauf reagierte der Verleih und lieferte weitere 35 Kopien an interessierte Kinos aus. Diese dann fast flächendeckende Versorgung mit dem Film sorgte dafür, dass die Besucherzahl in der darauffolgenden Woche konstant blieb. Am 14. Februar wurde Dani Levy für Alles auf Zucker! vom Club der Filmjournalisten Berlin für „die beste komödiantische Leistung in einem deutschsprachigen Film“ ausgezeichnet, was das Interesse des Publikums erneut anheizte. Der Film bewies in den darauffolgenden Wochen erstaunliche Hartnäckigkeit. Zwar konnten die Top Ten nicht mehr gehalten werden, jedoch brachen die Zahlen von Woche zu Woche nur um wenige Prozentpunkte ein, so dass nach zehn Wochen der Einstieg in die erfolgreichsten fünfzig Filme des Jahres gefeiert werden konnte.
Nachdem Anfang April die Zuschauerzahl auf die 700.000 zuging, wurde die geplante Fernsehausstrahlung diskutiert. Diese war drei Monate nach Kinostart geplant, was jedoch von Kinobetreibern, die sich über ein konstantes Geschäft freuten, kritisiert wurde. Die TV-Premiere wurde auf Ende September verschoben, so dass der Film weiter im Kino ausgewertet werden konnte.
Und der Film hielt sich weiterhin in den Charts, verlor ein paar Plätze, gewann dann wieder Zuschauer und sackte auch wieder ab, ohne jedoch ganz aus den Kinos zu verschwinden. Während europäische Filme wie Vom Suchen und Finden der Liebe mit großen Erwartungen, beeindruckenden Werbemaßnahmen und Fernsehauftritten der Schauspieler begleitet wurden und dennoch nicht für einen befriedigenden Erfolg garantieren konnten, sprach sich der hohe Unterhaltungswert von Alles auf Zucker! durch private Gespräche, die „Mund-zu-Mund-Propaganda“, herum. In den Kinos konnte das Personal Besucher begrüßen, die viele Jahre kein Kino von innen gesehen hatte. Der Film sprach ein Publikum an, dass sich nicht von der Schnelllebigkeit der Blockbuster beeindrucken ließ und sich freuten, Hannelore Elsner und Henry Hübchen wieder im Kino sehen zu können.
Am 9. Mai geschah eine Sensation: Die Deutsche Filmakademie gab die Nominierungen zum Deutschen Filmpreis bekannt. Zehn Nominierungen konnte Alles auf Zucker! auf sich vereinen, darunter die fünf Hauptkategorien „Bester Film“, „Bestes Drehbuch“, „Beste Regie“, „Bester männlicher Hauptdarsteller“ und „Beste weibliche Hauptdarstellerin“. Die Filmakademie ließ sich nicht von dem kommerziellen Erfolg von Der Untergang beeindrucken und setzte auf den Dani-Levy-Film.
Beeindrucken ließ sich allerdings noch nicht das Publikum. Die Nominierungen allein reichten nicht aus, Alles auf Zucker! einen bemerkenswerten Schub an Besucherzahlen zu verschaffen. Die Zahlen sanken langsam, um Anfang Juni, in der einundzwanzigsten Spielwoche, schien der Tiefpunkt erreicht: Platz 42 in den Charts – nur 1553 Besucher hatten noch Interesse, den Levy-Film im Kino zu sehen, was einen traurigen Schnitt von 29 Besucher pro Kopie brachte. Allerdings lohnt sich hier aber ein genaueres Hinsehen: Viele Kinobetreiber hatten sehr genau die Nominierungen zum Filmpreis beobachtet, und auch wenn die Zahlen nicht mehr erfreulich waren, hielten viele Kinos den Film mit teilweise einer Vorstellung pro Woche, beispielsweise in der Sonntagsmatinee, um die Kopie nicht abgeben zu müssen und auf diese Weise die Zeit bis zur Preisverleihung zu überbrücken. Daher ist der magere Kopienschnitt auch als Erfolg zu werten.
In dieser Zeit war der X-Verleih nicht untätig und konnte internationale Verhandlungen für Alles auf Zucker! führen. Der Film war auch im Ausland auf Interesse gestoßen und konnte inzwischen in über 20 Länder verkauft werden, darunter Australien/Neuseeland, Israel, Italien, Österreich, Schweiz, Russland und Polen. Auch die US-Amerikaner griffen zu, obwohl ein Detail der Handlung zu einem Skandal führte: Dass in Alles auf Zucker! Cousin und Cousine heftig flirten und schließlich Sex miteinander haben, gilt in manchen US-Bundesstaaten als Inzucht und wird daher kaum in dieser Form im Kino zu sehen sein. Es bleibt abzuwarten, ob die entsprechenden Szenen um- oder herausgeschnitten werden.
Aufschwung durch Lola
Am 8. Juli war es dann soweit: Der deutsche Film feierte sich in bester Stimmung in der Berliner Philharmonie, und die 650 Mitglieder hatten ihre Entscheidungen gefällt. Als Abräumer bei der Gala mit sechs Preisen ging Dani Levys Komödie hervor: Alles auf Zucker! wurde als bester Film, für die beste Regie, für das beste Drehbuch, das beste Kostümbild, für die beste Filmmusik und für den besten Hauptdarsteller ausgezeichnet. Henry Hübchen jubelte: „Ich habe Hitler geschlagen. So ein kleiner, verkappter Kommunist jüdischer Herkunft hat Hitler geschlagen!“ und nahm seine Goldene Lola entgegen.
Die Presse berichtete breit über die Preisverleihung, auch im Fernsehen war die Gala zu sehen. Und es zeigte sich, dass die Lola auch an der Kasse noch Wunder bewirken kann: Die Besucherzahl von Alles auf Zucker! legte kräftig zu. Nachdem die Kopienzahl um 55% aufgestockt werden konnte, wurde ein Besucheranstieg um sagenhafte 407% im Vergleich zur Vorwoche beobachtet, und schließlich konnte sich der Film mit über 13.000 Besuchern in seiner 27. Spielwoche in den Top Ten der deutschen Kinocharts wiederfinden.
Über großes Besucherinteresse freuten sich auch Kinobetreiber jenseits der Kinosäle. Alles auf Zucker! wurde vielfach auch in die Programme der Open-Air-Kinos aufgenommen – eine waghalsige Planung für einen Spartenfilm, der sich in den Programmen neben Blockbustern wie Krieg der Welten oder Batman Begins wiederfand. Aber auch hier konnte sich der Film behaupten: Im Frankenheim Open Air Kino, das jährlich am Rheinufer in Düsseldorf stattfindet und zu den schönsten und größten Sommerkinos zählt, wurde Alles auf Zucker! einer der größten Erfolge:
Die Besucher wollten nicht Gefahr laufen, keine Plätze mehr zu bekommen und sicherten sich ihre Karten lange vor der Vorstellung, so dass die Veranstalter bald ein „Ausverkauft!“ melden konnten. Fast 2200 Besucher amüsierten sich mit Jackie Zucker auf der 400 Quadratmeter großen Leinwand.
Durch den weiter wachsenden Besucherandrang scheint Zucker! weiterhin in den deutschen Kino-Top Ten fest verwurzelt zu sein. In der 29. Spielwoche kann der Film erneut an Besucher gewinnen. Mit Erstaunen werden in den Kinos ausverkaufte Vorstellungen registriert, so dass die Besucher-Million in kurzer Zeit erreicht sein wird.
Mit Spannung kann nun abgewartet werden, wie der Film vom ausländischen Publikum aufgenommen wird. Nachdem Der Untergang weltweit zu einem Erfolg und so hart diskutiert wurde, scheint Alles auf Zucker! der krasseste Kontrast zu sein. Eines ist wohl sicher: Auch außerhalb Deutschlands wird der Film aus der Menge herausragen und auf Interesse stoßen.
TV-Filme im Kino – demnächst häufiger?
Obwohl Alles auf Zucker! ein großer Kinoerfolg ist, bleibt er jedoch ein Fernsehfilm. Die TV-Premiere ist für September geplant, und kurze Zeit später wird die Kinoauswertung abgeschlossen sein. So mancher Zuschauer wird sich über die schnelle Fernsehausstrahlung wundern – und sich ärgern, dass er noch wenige Woche zuvor Geld für eine Kinokarte ausgegeben hat. Damit sich die Verwirrung auch nicht legt, wird es erst nach der Fernsehpremiere die Zucker-DVD geben – rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft.
Ein Fernsehfilm, der im Kino für Stimmung auf allen Seiten sorgt – ist daraus ein Trend abzuleiten? Vermutlich nicht, was zu bedauern ist. Die öffentlich-rechtlichen und auch die privaten Fernsehanstalten produzieren hochwertige Ware mit guten Drehbüchern, großem Etat, bekannten Schauspielern - und stoßen damit auf ein überaus großes Publikum. Vielleicht veranlasst Alles auf Zucker! die Verantwortlichen dazu, über eine Kinoauswertung ihrer TV-Produkte nachzudenken. Es könnte sich lohnen.
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